BEA Newsletter Nr. 136 - Mai 2024

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Aktuelles

Studien / Berichte / Umfragen

11.06.2024
Tuesdays for Education - Bedeutung des sozioökonomischen Hintergrunds der Schülerfamilien und der Übergang auf die weiterführende Schule
Am Beispiel der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung*
„Ein Überblick
- Die Wahrscheinlichkeit, eine Gymnasialempfehlung von der Lehrkraft zu erhalten, hängt positiv mit dem sozioökonomischen Status der Familie einer Schülerin beziehungsweise eines Schülers zusammen.
- Unterschiede in dieser Hinsicht bestehen auch dann noch, wenn für den individuellen Leistungsstand (Schulnoten in Deutsch und Mathematik, Lesekompetenz, kognitive Fähigkeiten, Arbeits- und Sozialverhalten) kontrolliert wird.
- Darüber hinaus hängt auch der mittlere sozioökonomische Status einer Klasse positiv mit der Wahrscheinlichkeit zusammen, von der Lehrkraft eine Gymnasialempfehlung zu erhalten.
- Individuelle und klassenspezifische Unterschiede hinsichtlich des sozioökonomischen Status hängen auch dann noch positiv mit der Wahrscheinlichkeit zusammen, von der Lehrkraft eine Gymnasialempfehlung zu erhalten, wenn individuelle und klassenspezifische Leistungsmerkmale konstant gehalten werden.“ (S. 2)
https://ifs.ep.tu-dortmund.de/storages/ifs-ep/r/Download_Praxisportal/Kurzbericht_TfE10_Schuluebergang.pdf

Siehe auch:
17.06.2024
Sozialer Status (auch der Klassengemeinschaft) beeinflusst Gymnasial-Empfehlung
Zum Ende der Grundschulzeit erhalten Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien deutlich seltener eine Empfehlung für den Wechsel auf ein Gymnasium als Kinder aus sozioökonomisch privilegierten Familien – auch bei gleichen Leistungen. Das geht aus einer Sonderauswertung der IGLU 2021 Studie des Dortmunder Instituts für Schulentwicklungsforschung (IFS) hervor. Studien- und IFS-Leiterin Nele McElvany fordert daher, Lehrkräfte für die systematischen Unterschiede bei den Übergangsempfehlungen zu sensibilisieren.
Mehr: https://www.news4teachers.de/2024/06/von-wegen-leistungsgesellschaft-soziooekonomischer-status-auch-der-klassengemeinschaft-beeinflusst-gymnasialempfehlung/
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Robert Bosch Stiftung
06.06.2024
Deutsche Lehrer liegen bei Teamarbeit und Fortbildung international weit zurück
In Deutschland nehmen Lehrkräfte viel seltener an Fortbildungen teil als in anderen Ländern. Auch Kooperation findet im internationalen Vergleich in deutschen Kollegien deutlich weniger statt. Das geht aus den Daten des Deutschen Schulbarometers hervor, die erstmals einen Vergleich zur internationalen TALIS-Studie (Teaching and Learning International Survey) zulassen. Bisher war ein solcher Vergleich nicht möglich, weil Deutschland an der TALIS-Studie nicht teilnimmt. Das Schulportal hat sich die Daten zur Teamarbeit und Lehrerfortbildung aus beiden Befragungen genauer angesehen.
Mehr: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/deutsche-lehrer-liegen-bei-teamarbeit-und-fortbildung-international-weit-zurueck/

Siehe auch:
Studie: Kaum Teamarbeit unter Lehrkräften – PISA-Chef Schleicher: Einzelkämpfertum im Schuldienst ist systembedingt
Mehr: https://www.news4teachers.de/2024/06/studie-kaum-teamarbeit-unter-lehrkraeften-pisa-chef-beruf-nicht-intellektuell-attraktiv/
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12.06.2024
Wie Jugendliche in die Zukunft schauen: Ängstlich, gleichzeitig zufrieden
Laut einer Studie sind Jugendliche angesichts der multiplen Krisen besorgter denn je. In politisches Engagement übersetzt sich ihr Problembewusstsein nicht.
Mehr: https://taz.de/Wie-Jugendliche-in-die-Zukunft-schauen/!6013582/
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„Je inklusiver der Unterricht, desto mehr sozio-emotionale Kompetenzen finden wir vor
Sozio-emotionale Kompetenzen fördern den schulischen Erfolg und schützen vor Mobbing. Inklusiv eingestellte Lehrerinnen und Lehrer stärken diese Fähigkeiten erheblich, ermittelte jetzt ein spanisch-finnisches Forschungsteam.
Mehr: https://www.news4teachers.de/2024/06/schulischer-erfolg-durch-soziale-kompetenzen-die-rolle-inklusiv-denkender-lehrer/

Die Studie:
Inclusive education by teachers to the development of the social and emotional competencies of their students in secondary education
Download
: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0959475224000197?via%3Dihub
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Mai 2024
Nationaler Bildungsbericht : Bildung in Deutschland 2024
Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu beruflicher Bildung
Mit dem gemeinsam von Bund und Ländern geförderten Bericht Bildung in Deutschland 2024 wird nun zum 10 Mal eine umfassende empirische Bestandsaufnahme für das deutsche Bildungswesen vorgelegt Sie reicht von der Frühen Bildung im Kindesalter bis zu den verschiedenen Formen der Weiterbildung im Erwachsenenalter, schließt nach Möglichkeit auch Facetten der non-formalen Bildung und des informellen Lernens mit ein und beschreibt damit Bildungsverläufe, Kompetenzentwicklungen und Erträge von Bildung inner- und außerhalb institutionalisierter Bildung“ (S. V) (…) „Die datengestützte Darstellungsform des Bildungsberichts ist allerdings nicht dazu geeignet, unmittelbar daraus Handlungsempfehlungen für politische oder pädagogische Maßnahmen abzuleiten Gleichwohl können die Befunde dazu beitragen, Handlungsfelder und -bedarfe zu identifizieren.“ (S. 5)
https://www.bildungsbericht.de/de/bildungsberichte-seit-2006/bildungsbericht-2024/pdf-dateien-2024/bildungsbericht-2024.pdf

Siehe auch:
* 17.06.2024
„Schwachstellen dankenswert offen benannt“: GEW-Chefin Finnern zum Nationalen Bildungsbericht
https://www.news4teachers.de/2024/06/schwachstellen-dankenswert-offen-benannt-gew-chefin-finnern-zum-nationalen-bildungsbericht/
* 17.06.2024
Bildungsbericht: DGB fordert Aussetzung der Schuldenbremse für Kitas und Schulen
Personalmangel, zu wenig Geld, soziale Ungerechtigkeit: Experten sehen dringenden Handlungsbedarf und wollen, dass die Schuldenbremse vorerst wegfällt.
https://www.berliner-zeitung.de/news/bildungsbericht-personalmangel-belastet-schulen-li.2225903
* 17.06.2024
Nationaler Bildungsbericht: „Das Bildungssystem arbeitet am Anschlag und steht unter großem Anpassungsdruck“
https://www.news4teachers.de/2024/06/nationaler-bildungsbericht-das-bildungssystem-arbeitet-am-anschlag-und-steht-unter-grossem-anpassungsdruck/
* 18.06.2024
Kritischer Bildungsbericht : Die soziale Ungleichheit bleibt „ein riesiges Dauerproblem“
https://www.tagesspiegel.de/wissen/bildungsbericht-kritisiert-bildungspolitik-soziale-ungleichheit-bleibt-ein-riesiges-dauerproblem-11845499.html Achtung: Nicht frei zugänglich („Bezahlsperre“
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24.05.2024
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Familienreport 2024
„Der Familienreport 2024 beschreibt die vielfältigen Lebenslagen von Familien in Deutschland. Die mittlerweile 8. Ausgabe bietet eine umfassende Bestandsaufnahme langfristiger Trends, sie greift aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen auf und informiert über familienpolitische Maßnahmen und Programme der Bundesregierung.“
https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/familienreport-2024-239470
Download: https://www.bmfsfj.de/resource/blob/239468/a09d21ecd295be59a9aced5b10d7c5b7/familienreport-2024-data.pdf
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28.05.2024
Auf dem Weg zum inklusiven Schulsystem? Aktuelle Zahlen zur Inklusion an Schulen
„Das Recht auf diskriminierungsfreie und chancengerechte Bildung haben alle Kinder und Jugendlichen in Deutschland – unabhängig davon, ob bei ihnen einen Förderbedarf festgestellt wurde oder nicht. Ein inklusives Schulsystem ermöglicht gemeinsames Lernen für alle Schüler:innen. Doch auch noch 15 Jahre nach der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention (kurz: UN-BRK), in der das Recht von Menschen mit Behinderung auf Bildung festgeschrieben wurde, stellt sich die Frage, wo Deutschland auf dem Weg zu einem inklusiven Schulsystem steht. Ist der flächendeckende Ausbau des inklusiven Schulsystems gelungen? Das neue Factsheet „Status quo: Inklusion an Deutschlands Schulen“ beschreibt anhand aktueller Daten die Situation im Schuljahr 2022/23 und ordnet sie im Vergleich zum Vorjahr 2021/22 und zum Jahr 2008/09 ein, in dem die UN-BRK in Kraft getreten ist. Dabei wird der Blick auch auf die 16 Bundesländer gerichtet.“ 
Mehr: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/status-quo-inklusion-an-deutschlands-schulen
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Mai 2024
Deutsches Institut für Menschenrechte
Stellungnahme zum Entwurf des Zweiten Gesetzes zur Änderung des Schulgesetzes (SchulG) und weiterer Rechtsvorschriften des Senats von Berlin vom 28.05.2024

„Das Deutsche Institut für Menschenrechte ist die unabhängige Nationale Menschenrechtsinstitution Deutschlands (…) Das Institut ist gesetzlich zudem mit dem Monitoring der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK, Konvention) beauftragt und hat hierfür die Monitoring-Stelle UN-BRK eingerichtet. (S. 3) (…)
Die UN-Behindertenrechtskonvention gilt in Deutschland im Rang eines Bundesgesetzes. Vermittelt über das verfassungsrechtliche Rechtsstaatsgebot (Artikel 20 Absatz 3 Grundgesetz) entfaltet sie Bindungswirkung für sämtliche staatliche Stellen. Die Bundesländer sind im Rahmen ihrer Zuständigkeiten unmittelbar an die verbindlichen Vorgaben der Konvention gebunden und zu ihrer Umsetzung verpflichtet (S. 4) (…)
In der Gesamtschau betrachtet ist der aktuelle Entwurf des Zweiten Gesetzes zur Änderung des Schulgesetzes aus Sicht der Monitoring-Stelle nicht geeignet, die rechtlichen Grundlagen zur Gewährleistung inklusiver Bildung in Berlin nachhaltig zu verbessern.“ (S. 7)
Mehr und Download:
https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Stellungnahmen/Stellungnahme_MSt_UNBRK_SchulG.pdf

Siehe auch:
https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/themen/rechte-von-menschen-mit-behinderungen/bildung
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Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe (LIfBi)
10.05.2024
Pandemie und Mathe-Kompetenz
„Hat Corona das schulische Lernen weniger beeinflusst als gedacht? Eine neue Studie kommt zu überraschenden Ergebnissen. (…)
Die Ergebnisse zeigen, dass die Einschränkungen der Corona-Jahre keinen negativen Effekt auf die Mathematikkompetenzen der untersuchten Jahrgänge hatten und bestätigen damit nicht die in diese Richtung gehenden Vermutungen der PISA-Studie und des IQB-Bildungstrends aus dem Jahr 2022.
Befürchtungen einer lebenslangen Benachteiligung der „Generation Corona“, also Schülerinnen und Schüler, die von den Schulschließungen betroffen waren, wurden schon während der Pandemie in drastischen Bildern geschildert. Dass die Einschränkungen tatsächlich deutliche Folgen auf das Lernen hatten, wurde mittlerweile in zahlreichen Studien beschrieben. Auch Ergebnisse aus dem Nationalen Bildungspanel (NEPS) zeigten bereits 2021, dass Schülerinnen und Schüler beim Distanzunterricht weniger Zeit in das Lernen investierten. Studien wie der IQB-Bildungstrend und PISA zeigten 2022 deutliche Kompetenzrückstände von Neuntklässlerinnen und -klässlern im Vergleich zu jenen, die 7 bzw. 3 Jahre zuvor an den jeweiligen Vorläuferstudien teilgenommen haben. Allerdings können die in diesen wiederkehrenden Querschnittstudien gefundenen Unterschiede auch andere Ursachen haben. Sie lassen sich also nicht zuverlässig als Effekte der Corona-Pandemie interpretieren.“
https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/generation-corona-mathekompetenzen

Die Studie (Download):
Geringere Lernzuwächse durch coronabedingte Einschränkungen im Bildungsbereich?
Ein Kohortenvergleich zu Entwicklungen in der Sekundarstufe
„Unsere Studie zeigt keine Leistungseinbußen und auch keine geringen Zuwächse in mathematischen Kompetenzen der Schüler:innen, die von den Auswirkungen der Pandemie betroffen waren im Vergleich zu jenen, die hiervon nicht betroffen waren.
Die erheblichen Einschränkungen und Veränderungen im Schul- und Unterrichtsbetrieb (Schulschließungen, eingeschränkter Präsenzunterricht, Distanzunterricht) konnten im Bereich des mathematischen Lernens bei Jugendlichen offenbar durch unterschiedliche Faktoren kompensiert werden.“ (S. 6)
https://www.lifbi.de/Portals/2/Corona/NEPS_Corona-und-Bildung_Bericht_10-Lernzuw%C3%A4chse.pdf

Siehe auch:
Unterricht während Corona: Doch was gelernt!
Als in der Pandemie die Schulen schlossen, lernten Jugendliche nicht mehr viel dazu? Stimmt nicht, sagt eine neue Studie.
Mehr: https://www.zeit.de/2024/21/unterricht-waehrend-corona-lernen-jugendliche-studie
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07.05.2024
MINT-Report : Ungleichheit im Bildungssystem verstärkt Fachkräftemangel
Deutschland fehlen einer Untersuchung zufolge über 240.000 Arbeitskräfte in MINT-Berufen – Tendenz steigend. Dabei gebe es Möglichkeiten, die Lage zu verbessern.
Mehr: https://www.spiegel.de/karriere/mint-berufe-laut-untersuchung-fehlen-ueber-240-000-fachkraefte-a-98d74a9e-16f7-454f-933b-6f12b7fe016f

Siehe auch:
https://www.news4teachers.de/2024/05/iw-studie-dramatische-einbrueche-bei-den-mathematischen-und-naturwissenschaftlichen-kompetenzen-auf-breiter-front/

07.05.2024
Das Gutachten des Instituts der Deutschen Wirtschaft
MINT-Frühjahrsreport 2024 - Herausforderungen der Transformation meistern, MINT-Bildung stärken
https://mintzukunftschaffen.de/wp-content/uploads/2024/05/MINT-Fruehjahrsreport_2024_Mai_07.pdf
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07.05.2024
Ungleicher Weg zum Unternehmertum: Wie der familiäre Hintergrund Gründer in Deutschland prägt
Jeden Tag werden in Deutschland etwa sieben neue Start-ups gegründet. Häufig von Michael oder Christian. Mutter Ärztin, Vater Unternehmer. Auf jeden Fall eher Akademiker. Neben dem Macher-Mindset und dem elterlichen Netzwerk gibt es ein kleines Startkapital und die finanzielle Sicherheit für den Fall des Scheiterns dazu. Keine Ausnahme und ein Kernproblem auf dem Weg zu mehr Gründungen in Deutschland.
Mehr: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/family-matters-familiarer-hintergrund-pragt-grunder-in-deutschland-11622434.html
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02.05.2024
Aktuelle Studie: Demokratiebildung im außerunterrichtlichen Ganztag
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die UN-Kinderrechtskonvention die bekannteste Vorgabe hinsichtlich kinderrechtebasierter Demokratiebildung ist. Auch die weiteren programmatischen und rechtlichen Vorgaben sind bei den Fachkräften größtenteils bekannt, für die Umsetzung kinderrechtebasierter Demokratiebildung jedoch nicht bestimmend.
Mehr: https://www.kompetenznetzwerk-deki.de/aktuelles/neuigkeit/aktuelle-studie-demokratiebildung-im-ausserunterrichtlichen-ganztag-643.html

Die Befragung (Download)
Deutsches Kinderhilfswerk e.V.
Kinderrechtebasierte Demokratiebildung im außerunterrichtlichen Ganztag
Ergebnisse einer bundesweiten quantitativen Befragung pädagogischer Fachkräfte im Hort und Ganztag im Primarbereich

https://www.dkhw.de/fileadmin/Redaktion/1_Unsere_Arbeit/1_Schwerpunkte/8_Demokratiebildung_von_Anfang_an/DKHW_Kinderrechtsbasierte_Demokratiebildung.pdf
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Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF)
24.04.2024
Inklusion: Welche Stereotype angehende Lehrkräfte mit besonders förderbedürftigen Schüler*innen verbinden
„Im Zuge der Inklusion unterrichten Lehrkräfte verstärkt besonders förderbedürftige Schüler*innen. Stereotype Annahmen über diese Kinder und Jugendlichen können beeinflussen, wie die Lehrer*innen mit ihnen umgehen. Das DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation hat jetzt untersucht, wie sich Lehramtsstudierende autistische Schüler*innen und solche mit Down-Syndrom und Lese-Rechtschreib-Störung vorstellen. Unter den angehenden Lehrkräften zeigten sich dabei ausgeprägte Stereotype – unter anderem bezogen darauf, wie kompetent und warmherzig die einzelnen Gruppen sind. Das DIPF will Bildungsangebote entwickeln, um derartigen Verallgemeinerungen entgegenzuwirken.“
Mehr: https://www.dipf.de/de/dipf-aktuell/pressemitteilungen/inklusion-welche-stereotype-angehende-lehrkraefte-mit-besonders-foerderbeduerftigen-schueler-innen-verbinden

02.05.2024
Stereotype erschweren individuelle Förderung
Im Zuge der Inklusion unterrichten Lehrkräfte verstärkt besonders förderbedürftige Kinder und Jugendliche. Wie sehr sie dabei durch Stereotype beeinflusst sind, zeigt eine neue Studie.
https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/stereotypen-beeinflussen-den-umgang-mit-kindern

Die Studie (Download):
Judging a book by its cover? Investigating pre-service teacher's stereotypes towards pupils with special educational needs
„Abstract
Stereotypes about pupils with special educational needs are prevalent both in society and among pre- and in-service teachers. However, little is known about the specific stereotypes pre-service teachers associate with autistic pupils, pupils with Down syndrome, and pupils with dyslexia. We explored these in two studies. Study 1 (N=13) involved qualitative interviews to identify potential stereotype content. Study 2 (N=213) used these findings to create a questionnaire to quantify these stereotypes. We found distinct stereotypes associated with all three groups of pupils. For successful inclusion, teachers must recognize the uniqueness of each pupil, including those with different diagnoses.“
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0742051X24000581?via%3Dihub
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24.04.2024
Robert-Bosch-Stiftung
Deutsches Schulbarometer 2024: Jede zweite Lehrkraft beobachtet Gewalt an der eigenen Schule
Das Verhalten und die Vielfalt ihrer Schüler:innen stellen Lehrkräfte derzeit vor die größten Herausforderungen. Das sind Ergebnisse der aktuellen Befragung des Deutschen Schulbarometers unter Lehrkräften an deutschen Schulen. Fast jede zweite Lehrkraft sieht an der eigenen Schule ein Problem mit psychischer oder physischer Gewalt unter Schüler:innen. Besonders betroffen sind dabei Schulen in sozial benachteiligter Lage. Gewalt an der eigenen Schule erhöht das Burnout- und Stressrisiko von Lehrkräften deutlich, wie die Befragung ergab. Mehr als jede dritte Lehrkraft fühlt sich mehrmals pro Woche emotional erschöpft, das sagen vor allem jüngere und weibliche Lehrkräfte sowie Grundschullehrer:innen.
Mehr: https://www.bosch-stiftung.de/de/storys/jede-zweite-lehrkraft-beobachtet-gewalt-der-eigenen-schule

Befragung Lehrkräfte
https://www.bosch-stiftung.de/sites/default/files/documents/2024-04/Schulbarometer_Lehrkraefte_2024_FORSCHUNGSBERICHT.pdf

Siehe auch:
*
https://taz.de/Ergebnisse-des-Schulbarometers/!6006639/
* https://taz.de/Gewalt-und-Burn-out-an-Schulen/!6003482/
* https://www.news4teachers.de/2024/04/momentaufnahme-eines-kranken-systems-jede-vierte-lehrkraft-wuerde-den-beruf-wechseln-wenn-sie-koennte/
* https://www.news4teachers.de/2024/04/vbe-zum-schulbarometer-wir-muessen-druck-rausnehmen-aus-dem-system/
* https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2024-04/deutsches-schulbarometer-2024-inklusion-lehrer-schule
* https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/schule-warum-immer-mehr-lehrer-den-beruf-wechseln-wollen-19675602.html
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12.03.2024
Kurzbericht
Tuesdays for Education – Schulische Ressourcen und Prioritäten
Auf Basis der repräsentativen Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU
Überblick über die zentralen Befunde anhand von IGLU
-
Allgemeine Schulressourcen: Schulleitungen schätzen die Ressourcen hinsichtlich des Unterrichtsmaterials überwiegend gut ein. Die im Durchschnitt geringen Mängel der Schulgebäude entsprechen dem EU-Durchschnitt. Technische und computergestützte Ressourcen sind in Deutschlands Grundschulen zu signifikant höheren Anteilen als im EU-Durchschnitt von Knappheit betroffen.
- Ungleiche Ressourcen je nach sozialer Lage: Grundschulen in Deutschland, an denen mehr als ein Viertel der Schüler*innen aus wirtschaftlich benachteiligten Familien stammt, sind in höherem Maße von Knappheit schulischer Ressourcen betroffen als Schulen mit einem Anteil bis zu 25 Prozent.
- Ressourcen für den Leseunterricht: Schulleitungen in Deutschland bemängeln am stärksten das unzureichende Vorhandensein von Computersoftware und Anwendungen für den Leseunterricht sowie eine Knappheit im Bereich von Bibliotheksmaterialien. Dies betrifft einen signifikant höheren Anteil der Schüler*innen in Deutschland im Vergleich zum Durchschnitt der EU-Teilnehmerstaaten.
- Leistungserwartungen: Im Vergleich zwischen a) Lehrkräften, b) Eltern und c) Schüler*innen sind bei gleichzeitiger Berücksichtigung aller drei Leistungserwartungen die Leistungserwartungen der Lehrkräfte und der Eltern am relevantesten für die Lesekompetenz der Schüler*innen“
https://ifs.ep.tu-dortmund.de/storages/ifs-ep/r/Download_Praxisportal/Kurzbericht_TfE07_Ressourcen_Prioritaeten.pdf

Siehe auch:
25.03.2024
Noch mehr Bildungsungerechtigkeit – IGLU-Studie zeigt: Schulen in ärmeren Gegenden schlechter ausgestattet
Grundschulen in wirtschaftlich benachteiligter Lage sind schlechter ausgestattet als solche in privilegierteren Gegenden. Darauf weist eine aktuelle Analyse des Dortmunder Instituts für Schulentwicklungsforschung (IFS) hin. Besonders auffällig ist der Unterschied demnach bei der Ausstattung mit Technik und Medien zur Unterstützung des Lernens sowie den Unterrichtsräumen. „Die Ressourcenausstattung von Schulen ist auch deshalb von Bedeutung, weil vertiefende Analysen Zusammenhänge mit der Lesekompetenz aufzeigen“, mahnt die Institutsleiterin Professorin Nele McElvany und fordert „eine gesicherte Ressourcenausstattung“.
Mehr: https://www.news4teachers.de/2024/03/noch-mehr-bildungsungerechtigkeit-iglu-studie-zeigt-schulen-in-aermeren-gegenden-schlechter-ausgestattet/
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TwinLife - Eine verhaltensgenetische Studie zur Entwicklung von sozialer Ungleichheit

„Beschreibung
TwinLife ist eine auf zwölf Jahre angelegte repräsentative verhaltensgenetische Studie zur Entwicklung von sozialer Ungleichheit.
Seit 2014 befragen wir in einem jährlichen Turnus – zum Start waren es über 4000 – in Deutschland lebende Zwillingspaare und deren Familien zu unterschiedlichen Lebensabschnitten. Dabei ist es wichtig, Daten von ein- und zweieiigen Zwillingen sowie Daten ihrer Eltern und Geschwister über mehrere Jahre hinweg zu betrachten. Somit können nicht nur soziale Mechanismen, sondern auch genetische Differenzen zwischen Individuen und die individuelle Entwicklung in Abhängigkeit unterschiedlicher Einflussfaktoren untersucht werden.
Inhaltlich werden dabei sechs bedeutsame Bereiche fokussiert: Bildung und Bildungserfolg, Karriere und Erfolge auf dem Arbeitsmarkt, Integration und Teilhabe am sozialen, kulturellen und politischen Leben, Lebensqualität und wahrgenommene Handlungsmöglichkeiten, physische und psychologische Gesundheit sowie Verhaltensprobleme und abweichendes Verhalten.“
https://www.twin-life.de/studie-twinlife
https://www.twin-life.de/

Compensation or accentuation? How parents from different social backgrounds decide to support their children
„Abstract
Previous research has shown that parents respond to differences in their children’s potential by providing them with different levels of support, and that such support allocation decisions are shaped by socioeconomic status (SES). We extend this observation to the assumption, raised in research on parental compensation and social mobility, that not only the allocation, but also the form of support provided is socially stratified. Specifically, we investigate whether socioeconomically advantaged parents use mechanisms that do not rely directly on cognitive enhancement. Drawing on data from three consecutive waves of the German TwinLife study (N = 960), we use twin fixed-effects models to examine how parents respond to their children having different grades. We investigate parental support strategies, including help with schoolwork and school-related communication, encouragement and explicitly formulated expectations, and extracurricular cognitive stimulation. Our findings suggest that high-SES parents tend to compensate for their children’s poor performance by helping them with schoolwork, fostering communication, and formulating academic expectations and encouragement. However, no significant differences in support allocation between high- and low-SES parents were found. Moreover, we found no evidence that parents in either high- or low-SES families respond to differences in their children’s school performance by providing them with extracurricular cognitive stimulation.“
https://academic.oup.com/esr/advance-article/doi/10.1093/esr/jcae010/7615421

Publikationen
An dieser Stelle erhalten Sie einen Überblick über alle uns bekannten wissenschaftlichen Veröffentlichungen, welche rund um das Projekt TwinLife bzw. mit den Daten des Projektes entstanden sind.
https://www.twin-life.de/publikationen

Siehe auch:
17.03.2024
Zwillingsforschung: Studie: Sozioökonomischer Status prägt elterliches Förderverhalten (nur nicht, wie gedacht)
Eltern reagieren einer aktuellen Studie zufolge unterschiedlich auf die Schulleistungen ihrer Kinder. Während diejenigen aus höheren Einkommensschichten Kinder mit schlechteren Schulnoten tendenziell stärker unterstützen, machten Eltern mit niedrigem Einkommen keine Unterschiede. (…) „Leistungsstarke Kinder aus unteren sozialen Schichten verfügen nicht über dieselben Ressourcen, Netzwerke und Unterstützungsmaßnahmen wie Kinder aus höheren sozialen Schichten, die von ihren Eltern vor dem sozialen Abstieg geschützt werden.
Mehr: https://www.news4teachers.de/2024/03/kompensation-oder-akzentuierung-wie-schulnoten-das-foerderverhalten-von-eltern-beeinflussen/
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05.03.2024
Studie zu Lehrerurteilen und Leistungsentwicklung: Können Jungen besser rechnen als Mädchen?
„Lehrerinnen und Lehrer beurteilen die Fähigkeiten von Mädchen im Bereich Sprache und von Jungen in Mathematik tendenziell besser, als es ihre Leistungen in objektiven Tests nahelegen. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forschungsteam aus Deutschland, Großbritannien und den USA, an dem die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) beteiligt ist. Die verzerrten Urteile der Lehrkräfte wirken sich auch langfristig auf die Leistungsunterschiede zwischen Mädchen und Jungen aus. Für die im Journal "Social Science Research" veröffentlichte Studie wurden Daten von 17.000 Kindern im Grundschulalter ausgewertet.
"Empirische Erhebungen wie die PISA- oder die IGLU-Studie zeigen, dass Mädchen besser beim Lesen abschneiden und Jungen in Mathematik. Über die Gründe ist bisher wenig bekannt", sagt Dr. Melanie Olczyk vom Institut für Soziologie der MLU. Gemeinsam mit ihren internationalen Kolleginnen und Kollegen wollte sie unter anderem wissen, ob und in welchem Maße Lehrkrafturteile zu den Leistungsunterschieden zwischen Jungen und Mädchen beitragen. Hierfür wertete das Team drei Längsschnittstudien aus, die Daten zu Kompetenzentwicklung und Bildungsverläufen erheben: die Millennium Cohort Study (MCS) für England, die Early Childhood Longitudinal Study (ECLS-K) für die USA sowie das Nationale Bildungspanel (NEPS) für Deutschland. In den Studien wurden insgesamt rund 17.000 Schülerinnen und Schüler über die Grundschulzeit hinweg begleitet, ihre Leistungen regelmäßig getestet sowie Eltern und Lehrende befragt.
Grundlage der Analysen war eine Beurteilung der Leistung der Schülerinnen und Schüler, die von den Lehrkräften zu Beginn der Grundschulzeit erfolgte. Die Beurteilung umfasst eine Bewertung der sprachlichen und mathematischen Fähigkeiten im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern. Im selben Zeitraum nahmen diese Kinder an Leistungstests teil, deren Ergebnisse dann mit den Lehrkrafturteilen abgeglichen wurden.
Die Forschenden konnten zeigen, dass die Beurteilung durch die Grundschullehrkräfte nicht vollständig auf die gemessenen Leistungen der Kinder zurückgeführt werden kann. Dies deutet darauf hin, dass die Urteile teilweise verzerrt sind. "Es zeigte sich außerdem, dass diese Verzerrungen systematisch mit dem Geschlecht der Schülerinnen und Schüler zusammenhängen. Im Bereich Sprache werden die Fähigkeiten der Mädchen eher überschätzt und die der Jungen unterschätzt, in der Mathematik ist es genau umgekehrt", sagt Olczyk. Allerdings gebe es Unterschiede zwischen den untersuchten Ländern: Im Bereich Sprache war die Verzerrung in England am größten, bei der Mathematik in Deutschland. In den USA fielen die Unterschiede jeweils wesentlich geringer aus.
Darüber hinaus verglich das Team die Leistungen zu Beginn der Grundschulzeit mit denen am Ende der Grundschulzeit. Das Ergebnis: Insgesamt vergrößerte sich der Vorsprung der Jungen in Mathematik und der der Mädchen im sprachlichen Bereich - lediglich in den USA verringerte sich das Gefälle bei den sprachlichen Leistungen. Die Forschenden konnten dabei zeigen, dass die beobachteten Unterschiede in der Leistungsentwicklung zwischen Mädchen und Jungen zum Teil auf die verzerrten Lehrkrafturteile zurückgeführt werden können. Das sei ein Indiz für das Bestehen selbsterfüllender Prophezeiungen.“
https://pressemitteilungen.pr.uni-halle.de/index.php?modus=pmanzeige&pm_id=5704

Die Studie: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0049089X23000935?via%3Dihub

Siehe auch:
06.03.2024
Lehrer überschätzen Jungen in Mathe, Mädchen in Sprache
Verzerrungen bei den Beurteilungen von Grundschulkindern hingen systematisch mit dem Geschlecht der Schülerinnen und Schüler zusammen
Mehr: https://www.sueddeutsche.de/bildung/schulen-halle-saale-lehrer-ueberschaetzen-jungen-in-mathe-maedchen-in-sprache-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-240306-99-234501
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16.02.2024
Alles eine Frage des Bundeslandes? Eine mehrebenenanalytische Betrachtung der eingeschränkten Vergleichbarkeit von Schulnoten

Zusammenfassung
Schulnoten werden seit jeher kontrovers diskutiert, insbesondere in Bezug auf ihre Bedeutung und Vergleichbarkeit. Dies wird in unterschiedlichen Publikationen deutlich, die zum Teil bis in das 19. Jahrhundert zurückreichen, deren kritische Anmerkungen aber bis heute nicht an Aktualität verloren haben. Auch in jüngster Zeit finden immer wieder bildungspolitische Debatten statt, die im Kern auf Widersprüche zwischen der unklaren Aussagekraft von Schulnoten und ihrer gleichzeitig großen Bedeutung für Selektions- und Allokationsprozesse verweisen. Einen besonderen Schwerpunkt in diesen jüngeren Diskursen bildet die Kritik an der mangelnden Vergleichbarkeit von Schulnoten aus unterschiedlichen Bundesländern, die letztlich, so die vielfach vorgetragene Argumentation, insbesondere durch eine Auflösung föderaler Strukturen und eine nationale Bildungsstrategie überwunden werden könne. Der vorliegende Beitrag nimmt diese Diskussion zum Anlass, die Vergleichbarkeit von Schulnoten genauer zu untersuchen. Hierzu erfolgt eine systematische Aufschlüsselung der Beiträge unterschiedlicher Ebenen (innerhalb von Schulen, zwischen Schulen, zwischen Bundesländern) zur mangelnden Vergleichbarkeit von Schulnoten. Grundlage der Untersuchung bilden repräsentative Daten von N = 55.002 Schülerinnen und Schülern aus den IQB-Bildungstrends 2015 und 2018 (Jahrgangsstufe 9). Die Ergebnisse legen nahe, dass Schülerinnen und Schüler mit gleichen Schulnoten substantiell unterschiedliche Kompetenzen aufweisen und dies auch umgekehrt gilt. Ferner zeigte sich, dass die Unterschiede zu einem erheblichen Maß durch Unterschiede zwischen Schulen innerhalb von Bundesländern erklärt werden konnten und deutlich weniger durch Bundeslandunterschiede. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Debatte zur eingeschränkten Vergleichbarkeit von Schulnoten ihr Augenmerk nicht nur auf die Ebene der Bundesländer, sondern auch auf die Mechanismen der Notengebung und Ursachen von Schulnotenunterschieden zwischen Schulen innerhalb von Bundesländern richten sollte.“
https://link.springer.com/article/10.1007/s11618-024-01216-9

Download der Studie
: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s11618-024-01216-9.pdf

Siehe auch:
21.02.2024
Studie zu Leistungsniveau : Wie vergleichbar sind Schulnoten wirklich?
Können Schüler mit einer Eins in Mathe automatisch herausragend gut rechnen? Nicht unbedingt, zeigt eine neue Untersuchung. Die Aussagekraft von Zensuren ist demnach begrenzt.
Mehr: https://www.spiegel.de/panorama/bildung/zeugnisse-wie-vergleichbar-sind-schulnoten-wirklich-a-a51b857d-d559-4d47-87b7-601f68f3f596

Prof. i. R. Dr. Jörg Ramseger, FU Berlin, FB Erziehungswissenschaft u. Psychologie
Vortrag: „Leistungsbeurteilung, Lernerfolgsrückmeldung und das (meist vergebliche) Bemühen um Gerechtigkeit in der Schule und im Leben“
https://leaberlin.de/267-aktuelles/4062-bericht-zur-lea-sitzung-vom-17-11-2023-zum-thema-benotung-im-schulalltag ----------


Februar 2024
Lauter Hass – leiser Rückzug
Wie Hass im Netz den demokratischen Diskurs bedroht

Fazit
Hass im Netz kann alle treffen. Aber er trifft nicht alle gleich. Fast jede zweite Person wurde schon einmal online beleidigt. Ein Viertel der Befragten wurde mit körperlicher Gewalt und ein Achtel mit sexualisierter Gewalt konfrontiert.
Besonders häufig von Hass im Netz betroffen sind Personen mit sichtbarem Migrationshintergrund, junge Frauen und Menschen mit homo- und bisexueller Orientierung. Der Großteil der Befragten stimmt zu, dass der Hass im Netz in den letzten Jahren zugenommen hat. Dabei bedarf es weiterer Forschung quantitativ wie qualitativ –, etwa zu den Fragen, was Internetnutzer*innen unter Hass im Netz verstehen und wie bzw. ob hier differenziert wird.
Die Ergebnisse zeigen auch: Der „schleichende Angriff auf unsere Demokratie“ (Geschke et al. 2019) setzt sich fort. Allerdings ist er inzwischen weniger als „schleichend“ (ebd.) zu bezeichnen. Vielmehr muss man von einem offenen und unverhohlenen Versuch sprechen, die Grundwerte und Prinzipien unserer Demokratie durch Hass im Netz systematisch zu untergraben.
Dieser Angriff manifestiert sich etwa in der Verbreitung von Desinformation, der Zunahme autoritärer Einstellungen – nicht nur im rechtsextremen politischen Spektrum20 – sowie in dem Versuch, das öffentliche Vertrauen in Institutionen zu erschüttern, die von Politiker*innen, Journalist*innen oder Aktivist*innen repräsentiert werden.
Dass Hass im Netz den Diskurs vergiftet und bei zahlreichen Internetnutzer*innen – nicht nur bei den Betroffenen selbst – zum Rückzug führt, konnte in der vorliegenden Studie demonstriert werden. Der Hass ist laut, der Rückzug hingegen ist leise. Viele Nutzer*innen verlassen die Social-Media-Plattformen oder schalten sich nicht mehr in die Debatten ein. Dieser leise Rückzug ist für viele ein Weg, um mit Hass im Netz umzugehen. Es gibt viele Gründe, warum sich Nutzer*innen nicht aktiv gegen Hass im Netz positionieren – sei es wegen fehlender oder nicht bekannter Handlungsmöglichkeiten, mangelnder Kompetenzen oder aus Sorge, selbst Hass zu erfahren.
Individuell mag dies eine nachvollziehbare Reaktion sein. Gesellschaftlich ist ein solcher Befund jedoch äußerst problematisch: Wenn sich Menschen aus Angst vor Hass im Netz aus dem digitalen Raum zurückziehen, wird der Diskurs zunehmend von den Hater*innen dominiert. Es entsteht ein Teufelskreis, auf den diejenigen setzen, die Hass verbreiten. Sie wollen durch Ausgrenzung und Einschüchterung im digitalen Raum Kontrolle über den politischen Diskurs gewinnen. Die Grenzen zwischen digitalem und analogem politischem Diskurs sind dabei fließend. Hass wird als Instrument genutzt, um den Diskurs immer weiter nach rechts zu verschieben und so diese Sichtweisen zu normalisieren (Rieger 2019). Wird dabei berücksichtigt, dass Erfahrungen von Hass im Netz nicht alle gleich treffen, sondern vor allem Frauen sowie diskriminierte und marginalisierte Gruppen betroffen sind, wird deutlich, dass gerade die Stimmen verstummen, die vielfältige Perspektiven in unseren demokratischen Diskurs bringen.
Das wird nicht zuletzt in den zahlreichen anstehenden Wahlkämpfen im Jahr 2024 entscheidend sein. Insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern, in denen gewählt wird, stehen Kandidierende aus dem rechtsextremen und völkischnationalistischen Spektrum zur Wahl, die dafür bekannt sind, Hass und Hetze zu verbreiten und für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.
Es ist wichtiger denn je, sich für den Schutz und die Stärkung unserer demokratischen Prozesse einzusetzen. Hier wird der digitale Raum eine herausgehobene Rolle spielen. Klar ist aber auch: Allein die Gegenrede aller Demokrat*innen wird nicht ausreichen. Vor allem der Gesetzgeber muss aktiv werden und die Rahmenbedingungen für Betroffene und alle Internetnutzer*innen besser gestalten.
Politische Forderungen zur Regulierung, Bekämpfung und Prävention von Hass im Netz werden von einer breiten Mehrheit über alle politischen Lager hinweg unterstützt. Die Ausgangslage, um diese Forderungen gegenüber den Plattformen durchzusetzen, ist also gegeben. Der politische Mut, konsequenter gegen Big Tech vorzugehen, fehlt jedoch oftmals. Plattformen wie X (ehemals Twitter), Meta oder TikTok weisen häufig ihre Verantwortung für den dort verbreiteten Hass zurück. Eine Verantwortung, die sie nach Ansicht der Befragten jedoch tragen und für die sie einer Mehrheit ihrer Nutzer*innen zufolge auch zur Rechenschaft gezogen werden sollten.
Neben konkreten Verpflichtungen der Plattformbetreibenden sollte der Gesetzgeber auch bei einer stärkeren Sensibilisierung der Polizei und Justiz ansetzen und für eine konsequente Durchsetzung bereits bestehender Gesetze sorgen.
Betroffene von Hass im Netz brauchen Unterstützung: Zugang zu juristischer Beratung und die Möglichkeit, ohne immenses finanzielles Risiko gegen die Täter*innen zu klagen. Das ermöglicht es den Demokrat*innen über einen wehrhaften Rechtsstaat gegen den Hass und die Destabilisierung der Institutionen vorzugehen. Außerdem ist ein kontinuierliches Monitoring von Hassdynamiken im Netz notwendig, um Entwicklungen rasch zu erkennen und auf sie reagieren zu können.
Die vorliegenden Studien-Ergebnisse unterstreichen die Relevanz und Dringlichkeit der Forderungen des Kompetenznetzwerkes gegen Hass im Netz:
→ ein bundesweites Netzwerk von spezialisierten Beratungsstellen sowie geschulte und sensibilisierte Strafverfolgungsbehörden, die Betroffene ernst nehmen.
→ eine finanzielle Beteiligung von Social Media Plattformen an den Kosten für gesellschaftliche Schäden, die sie durch Hass-begünstigende Geschäftsmodelle verstärken. Sehr große Online-Plattformen müssen einen Anteil ihres Gewinns aufwenden, um die gesellschaftlichen Kosten für diese Schäden in ausreichendem Maße zu tragen.
→ eine nationale Bildungsoffensive Medienkompetenz mit Mitteln in mindestens gleichwertiger Höhe des Digitalpakts (6,5 Milliarden €).
Das Internet ist der wichtigste öffentliche Debattenraum unserer Zeit. Hassbotschaften, Diskriminierungen und Hetze verletzen unsere Demokratie zutiefst und dürfen keinesfalls toleriert werden. Diese Studie zeigt: Mehr denn je braucht es jetzt eine starke Zivilgesellschaft und eine durchsetzungsfähige Politik gegen Hass im Netz“ (S. 62ff)
https://kompetenznetzwerk-hass-im-netz.de/wp-content/uploads/2024/02/Studie_Lauter-Hass-leiser-Rueckzug.pdf
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25.01.2024
Weniger Geburten, mehr Lehrkräfte : Spielraum für die Grundschulentwicklung
„Neue Berechnungen zeigen, dass schon ab Mitte dieses Jahrzehnts mehr ausgebildete Lehrer:innen im Grundschulbereich zur Verfügung stehen, als es Stellen zu besetzen gibt. Ursache dafür ist die Trendwende bei der Geburtenentwicklung. Die Politik sollte diese Chance nutzen, um mit den zusätzlichen vorhandenen Lehrkräften die pädagogische Qualität zu verbessern.“
https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/weniger-geburten-mehr-lehrkraefte
Download der Studie: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/user_upload/Studie_Weniger_Geburten_-_mehr_Lehrkraefte.pdf

Siehe auch:
25.01.2024
* Lehrkräftemangel an Grundschulen ist wohl schon bald überwunden
Mehr: https://www.spiegel.de/panorama/bildung/bertelsmann-stiftung-lehrkraeftemangel-an-grundschulen-ist-wohl-schon-bald-ueberwunden-a-17201149-85b3-4e3d-a761-34a0c8dc93ab
*  Deutlich gesunkene Geburtenzahlen: Lehrkräftemangel an Grundschulen offenbar bald vorbei
Mehr: https://www.tagesspiegel.de/wissen/deutlich-gesunkene-geburtenzahlen-lehrkraftemangel-an-grundschulen-offenbar-bald-vorbei-11107150.html
* Studie: Lehrermangel an Grundschulen schneller überwunden als gedacht – wegen Kindermangel
Mehr: https://www.news4teachers.de/2024/01/studie-lehrermangel-an-grundschulen-schneller-ueberwunden-als-gedacht-wegen-kindermangel/
* Studie: Lehrermangel an Grundschulen bald vorbei
Mehr: https://www.berliner-zeitung.de/news/studie-lehrermangel-an-grundschulen-bald-vorbei-li.2180318
* Hat Deutschland bald 45.000 Grundschullehrer zu viel?
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hat-deutschland-bald-45-000-grundschullehrer-zu-viel-19474015.html
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17.01.2024
Universität Köln
Jugendlichen verwenden nur selten ethnisch-rassistische Labels
SOCIALBOND-Studie
„Weniger als vier Prozent der Jugendlichen verwenden ethnische oder rassistische Bezeichnungen, um ihre Freundescliquen in der Schule zu beschreiben. Das zeigt eine neue Studie der Universität Köln.
Die Studie von WiSo-Professor Clemens Kroneberg (Institut für Soziologie und Sozialpsychologie (ISS) der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln und Mitglied des Exzellenzclusters ECONtribute: Märkte & Public Policy) und Dr. Mark Wittek untersuchte den Gebrauch von ethnischen und rassistischen Bezeichnungen unter 13-jährigen Schülern in Deutschland.
Für die Untersuchung „The Ethnic Lens: Social Networks and the Salience of Ethnicity in the School Context“ (‘Die ethnische Linse: Soziale Netzwerke und die Bedeutung von Ethnizität im schulischen Kontext‘) befragten Mark Wittek und Clemens Kroneberg mehr als 3.000 Schüler:innen an 39 Schulen und baten sie, die Cliquen zu nennen, die sie in ihrer Klasse beobachten, und diese Gruppen mit ihren eigenen Worten zu beschreiben.
Dabei zeigte sich, dass die Schüler:innen ihre Freundescliquen am ehesten neutral beschrieben. Danach nahmen sie ihre Mitschüler:innen am häufigsten aufgrund ihrer Hobbys, wenn sie lustig waren oder einfach positiv wahr. Daraus geht den beiden Soziologen zufolge hervor, dass es der jüngeren Generation trotz der Tatsache, dass Freundschaften zwischen Personen gleicher ethnischer Herkunft häufiger sind, besser als den Erwachsenen gelingt, diese Grenzen zu verwischen.
Die Studie zeigt allerdings auch, dass muslimische Cliquen mit einem hohen Grad an Selbstidentifikation eher mit ethnisch-rassistischen Begriffen bezeichnet wurden. Dies war jedoch selten der Fall.
"Unsere Ergebnisse fordern dazu auf, Annahmen über die Art der ethnischen Segregation in den sozialen Netzwerken von Schülern zu überdenken, und ergänzen neuere Studien, die gezeigt haben, dass 'ethnische Homophilie'* weniger schädlich ist als oft angenommen", sagt Professor Kroneberg.
Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Sociological Science veröffentlicht und ist Teil des vom ERC geförderten Projekts SOCIALBOND.“
https://wiso.uni-koeln.de/de/aktuelles-und-neuigkeiten/news-einzelansicht/jugendlichen-verwenden-nur-selten-ethnisch-rassistische-labels

Siehe auch:
How can we build a community where fellow citizens feel part of their nation and develop social relationships that bridge ethnic divides?
The SOCIALBOND project contributes to answering this question by examining how adolescents develop their peer group affiliations and identities in the school context. Schools are one of the most influential institutions of modern societies. They provide a context where adolescents of diverse backgrounds meet and where processes of group and identity formation unfold. Our research aims to identify new factors that support or hinder the social integration of minority students.
https://socialbond-insights.eu/
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Ständige Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz
Large Language Models und ihre Potenziale im Bildungssystem
Impulspapier der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz

„Schlussfolgerungen
Das Bildungssystem in Deutschland steht aktuell vor der Aufgabe, das Potenzial generativer KI-Technologien wie LLM zu nutzen, dabei ihre Grenzen klar zu erkennen und verantwortungsbewusst mit ihren Beschränkungen umzugehen. Lernende können im ungünstigen Fall durch die Nutzung von LLM lernförderliche Arbeitsaufträge auslagern. Ein Verbot von LLM ist dennoch weder angemessen noch realistisch. Wegen ihrer hohen lernförderlichen Potenziale und ihrer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung sollte stattdessen eine produktive Nutzung etabliert werden. LLM können vor allem dann unterstützen, wenn Lernende über hohe fachliche, Schreib-, Lese- und digitale Kompetenzen (Grundlagenwissen über KI und LLM, hohes Reflexionsvermögen und Beurteilungskompetenz) verfügen. In der Forschung ist die Nutzung von LLM keineswegs unerwünscht oder gar verboten (vgl. DFG, 2023). Vor diesem Hintergrund sollten Texte in Schulen und Hochschulen auch unter Zuhilfenahme von LLM geschrieben werden können.
Gleichzeitig plädiert die SWK dafür, dass auch zukünftig die Schreibkompetenz unter Verzicht auf LLM im schulischen Kontext systematisch aufgebaut wird und LLM erst in höheren Klassenstufen zum Einsatz kommen. Dafür sind lizenzrechtliche und datenschutzrechtliche Barrieren abzubauen.
KI kann und sollte Lehr-Lernprozesse unterstützen, die finale Entscheidung bzw. Bewertung und die Verantwortung für das Endprodukt muss beim Menschen liegen. Eine unreflektierte Übergabe von Aufgaben z. B. an LLM kann zu Fehlern, Ungerechtigkeiten und Kompetenzverlust führen. Lerninhalte und Prüfungen müssen den Kriterien von Wahrheit, Fairness, Objektivität, Validität und Reliabilität unterliegen.

Übergangsphase zur systematischen Erprobung bei offener Fehlerkultur

Kurzfristig ist eine Übergangsphase nötig, in der eine systematische Erprobung von LLM bei offener Fehlerkultur stattfindet. Dazu müssen zeitnah der rechtssichere Zugang ermöglicht, lernförderliche Nutzungsszenarien geschaffen und Fortbildungen für Lehrkräfte forciert werden. Dabei ist eine enge Zusammenarbeit von Praxis und Wissenschaft nötig, um fachspezifische und altersgerechte Nutzungs- und Aufgabenszenarien zu entwickeln, die den Potenzialen von LLM gerecht werden. Fachdidaktiken, Medienpsychologie, Medienpädagogik und Landesinstitute können hier ko-konstruktiv Impulse geben.
Sowohl Lernende als auch Lehrkräfte benötigen umfassende Kompetenzen zum lernförderlichen Umgang mit LLM: Dazu gehört das Verstehen der Funktionsweise der entsprechenden Tools, ihrer Stärken und Schwächen sowie Prompt-Tuning. Es bedarf daher eines raschen und umfassenden, systematischen und wissenschaftsunterstützten Ausbaus der Fortbildungsangebote für Lehrkräfte und Lehrende an Hochschulen zur Nutzung von LLM, um bei ihnen entsprechende Kompetenzen aufzubauen, damit sie KI-bezogene ICT-Kompetenzen erwerben und LLM in ihren Fachunterricht didaktisch treffsicher einsetzen können. Drei Fragen sollten zum Einsatz im Fachunterricht leitend sein und systematisch empirisch erforscht werden:
Wie können LLM bei sprachproduktiven Aufgaben eingesetzt werden? Welche Potenziale bieten LLM für die summative und formative Bewertung von Schülerleistungen? Welche Potenziale haben LLM für die Erstellung und Anpassung von Unterrichtsmaterialien (insbesondere auch Prüfungsaufgaben)?
Bei Lernenden steigen die Notwendigkeit und Relevanz der Fähigkeit zur Selbststeuerung und zum kritischen Prüfen drastisch an. Diese Kompetenzziele sind bereits in vielen Curricula verankert, müssen aber um KI-spezifische Inhalte ergänzt und zügig in die Lehrpraxis integriert werden. Hier ist ein Aufbau digitaler Kompetenzen und ICT-Literacy (inkl. Grundkenntnisse über KI) als fächerübergreifende Aufgabe in der Primarstufe und der Sekundarstufe I nötig, ergänzt um entsprechende Angebote im Informatikunterricht der Sekundarstufe I. Ein starker Fokus sollte dabei auf Kompetenzen im Bereich der Bewertung der Glaubwürdigkeit von Texten bzw. Quellen liegen.

Domänenspezifische Tools entwickeln
Mittel- und langfristig ist die Entwicklung domänenspezifischer Tools notwendig. Derzeitige LLMs sind ge-nerisch und nicht spezifisch für den Bildungskontext und für einzelne Fächer entwickelt. Sie müssen mit qualitativ hochwertigen, fachspezifischen Daten trainiert werden, um zuverlässig und valide zu funktionieren. Eine systematische Variation von Trainings- und Stimulusmaterialien der LLM, inspiriert von experimentalpsychologischer Forschung, kann helfen, diesen Prozess voranzutreiben und die Reliabilität und Validität der generierten Informationen zu erhöhen. Aktuelle technische Weiterentwicklungen lassen hier ein großes Potenzial vermuten. Befunde aus der Lehr-Lernforschung, z. B. zu ITS, zu Feedback, Schreib- und Kollaborationsprozessen, müssen auf die Entwicklung spezifischer LLM übertragen und systematischer als bisher mit anderen Tools in die Entwicklung von fachdidaktisch fundierten digitalen Lernumgebungen integriert werden.

LLM ab der Sekundarstufe einsetzen
Der Einsatz von LLM sollte angepasst an die Bildungsetappen erfolgen. In der Grundschule und zu Beginn der Sekundarstufe I sollte weitgehend auf LLM verzichtet werden. Stattdessen sollte der systematische Aufbau von basalen Lese- und Schreibkompetenzen fokussiert werden, die den gesamten Schreibprozess, d. h. die rekursiv-iterative Planung, Erstellung und Revision von Texten systematisch berücksichtigen. Analoges Schreiben ist Aufgabe aller Fächer, um den fachspezifischen Aufbau von Wissen und Kompetenzen zu unterstützen. Im Laufe der Sekundarstufe I können zunehmend digitale Tools zur Erstellung von Texten eingesetzt werden, die Verwendung von LLM sollte in den ersten Jahren nur sehr eng begleitet erfolgen.
Ab der achten Jahrgangsstufe ist ein regelmäßiger Einsatz von LLM als Schreibunterstützung in allen schulischen Fächern, in denen schriftlichen Leistungen erbracht werden müssen, zu erwägen. Ab der Sekundarstufe II können LLM vielfältig zur Erstellung von Texten verschiedener Genres eingesetzt werden (hilfsmittelunterstützt), während weiterhin auch Texte ohne LLM (hilfsmittelfrei) erstellt werden. An den Hochschulen schließlich sollten LLM gemäß den Richtlinien der DFG verwendet werden können.

Prüfungskultur verändern
In prozessorientierten Prüfungsformaten sollte die versierte Koaktivität mit LLM als Lernziel geübt und geprüft werden. Bei der Bewertung können KI-basierte Tools Lehrkräfte unterstützen, es ist jedoch zentral, dass die Kontrolle und Verantwortung für die Bewertung in menschlicher Hand bleiben. An Hochschulen können schriftliche Hausarbeiten (z. B. Bachelor- oder Masterarbeiten) unter Nutzung von LLM als Prüfungsformate genutzt werden. Texte, die mit Unterstützung von LLM erstellt wurden, müssen einen Hinweis enthalten. Ergänzend sind hilfsmittelfreie Prüfungsformate beizubehalten sowie Prüfungsformate zu entwickeln, bei denen das Prompting im Vordergrund steht.

Rahmenbedingungen schaffen
Lernende und Lehrkräfte benötigen einen (kostengünstigen oder kostenfreien) Zugang zu Tools. Staatliche Organisationen sollten sicherstellen, dass alle Lernenden in Bildungseinrichtungen gleichermaßen Zugriff auf hochwertige KI-Systeme haben, die für das Lernen genutzt werden können. Dabei sollte neben aktuellen LLM-Ansätzen auch die Weiterentwicklung und Nutzung weiterer KI-basierter Ansätze zur individuellen Förderung systematisch gefördert werden, deren Lernwirksamkeit belegt werden konnte. Die bereits heute bestehenden Ungleichheiten bei der Nutzung kostenpflichtiger Lernprogramme oder Nachhilfe könnten sich durch die Verbreitung weiterer KI-Anwendungen verschärfen. Die Entwicklung von Lizenzmodellen beispielsweise in Form von Landeslizenzen wäre ein möglicher Weg.

LLM in Lernplattformen integrieren und Commons-Lösungen entwickeln
Technologische, ethische und rechtliche Probleme können die Rechtmäßigkeit eines unterrichtlichen Einsatzes von LLM in Frage stellen. Der Einsatz kommerzieller LLM ist marktwirtschaftlichen Interessen unterworfen. Bildungspolitisch sollte das zum Anlass genommen werden, LLM in geeignete Lernplattformen zu integrieren oder Commons-Alternativen zu entwickeln. So kann sichergestellt werden, dass Bildungsinteressen gegenüber wirtschaftlichen Interessen gewahrt werden und keine Informations-Monopole entstehen. Für rechtliche und ethische Grauzonen sollten klare Regulierungen getroffen werden. Perspektivisch sollten LLM verwendet werden, deren Funktionsweise und Verzerrungen bekannt sind und frei beforscht werden können“ (S.18-21)
https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/KMK/SWK/2024/SWK-2024-Impulspapier_LargeLanguageModels.pdf
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Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ
Index zur Einflussnahme der Tabakindustrie in Deutschland 2023
„Laut der Deutschen Befragung zum Rauchverhalten ist die Rauchprävalenz unter Jugendlichen in den letzten drei Jahren gestiegen, wobei zuletzt unter den 14- bis 17-Jährigen ein dramatischer Anstieg von 8,7 Prozent im Jahr 2021 auf 15,9 Prozent im Jahr 2022 zu verzeichnen war.[5,6] Etwa 40 Prozent der 18- bis 24-Jährigen rauchen und eine wachsende Zahl junger Menschen verwendet elektronische Zigaretten (E-Zigaretten).[5–7]
Der Einfluss der Tabakindustrie hat sich weltweit als ein Haupthindernis für eine wirksame Politik zur Eindämmung des Tabakkonsums erwiesen.“ (S. 5)
Download: https://www.dkfz.de/de/krebspraevention/Downloads/pdf/Buecher_und_Berichte/2023_Index-Einflussnahme-Tabakindustrie-Deutschland.pdf?m=1699953381&
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09.01.2024
Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) an der TU Dortmund
Tuesdays for Education - Unterricht und Lesezeit
Auf Basis der repräsentativen Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU
Kurzbericht
„Überblick über die zentralen Befunde anhand von IGLU
- Hinsichtlich der Klassenführung besteht an Grundschulen in Deutschland im Mittel Entwicklungsbedarf: Die erlebte Unterrichtsqualität wird von den Schülerinnen und Schülern bezüglich der Klassenführung deutlich weniger gut eingeschätzt als die erlebte kognitive Aktivierung und konstruktive Unterstützung.
- Lehrkräfte messen einer standardisierten und systematischen Diagnostik der Lesekompetenz von Schülerinnen und Schülern in der Praxis eine vergleichsweise geringe Bedeutung bei.
- Der überwiegende Teil der betrachteten Lesestrategien wird in Deutschland seltener eingesetzt als im Mittel der EU-Teilnehmerstaaten und -regionen. Insbesondere Elaborationsstrategien, die dem vertieften Verständnis dienen, kommen in einem geringen Teil der vierten Klassen regelmäßig zum Einsatz.
- Die Lesezeit in Deutschland ist im Vergleich zu anderen Staaten der EU gering.“ (S.2)
4. Fazit
Die nun vorliegenden vertiefenden Befunde von IGLU 2021 ermöglichen Erkenntnisse zur Gestaltung des Lesenlernens in den Grundschulen in Deutschland, wobei im vorliegenden Kurzbericht mit der für das Lesen verwendete Zeit im Unterricht zunächst ein quantitatives Merkmal fokussiert wurde, bevor mit der Unterrichtsqualität, dem Stellenwert, den Lehrkräfte verschiedenen diagnostischen Verfahren beimessen, sowie den Lesestrategien, die sie anwenden, qualitative Merkmale des Leseunterrichts in den Blick genommen wurden.
Die wöchentliche Lesezeit ist, quantitativ betrachtet, in Deutschland im Vergleich zu den Durchschnittswerten der anderen an IGLU teilnehmenden EU-Staaten gering. Zwar muss eine höhere Lesezeit nicht zwingend mit einer höheren Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler zusammenhängen, allerdings bietet die Erhöhung der für das Lesen vorgesehenen Zeit zusätzliche Möglichkeiten, wirksame Konzepte zur Leseförderung umzusetzen, die zu einer besseren Lesekompetenz führen können (Roberts et al., 2022).
Neben der reinen quantitativen Betrachtung der für das Lesen verwendeten Zeit im Unterricht ist allerdings die Qualität des Leseunterrichts, die Passung der Lesematerialien oder die systematische Integration von Lesestrategien maßgeblich und die in diesem Kurzbericht beschriebenen Befunde weisen auf einige Defizite in diesen Bereichen hin.
In diesem Zusammenhang ist zunächst die Klassenführung als einer der zentralen Bereiche der Unterrichtsqualität zu nennen. Diese wird von den Schülerinnen und Schülern im Vergleich zu den weiteren Dimensionen (kognitive Aktivierung und konstruktive Unterstützung) weniger gut eingeschätzt. Das Sicherstellen eines ruhigen und geordneten Lernumfelds sollte daher aus der Sicht der Grundschülerinnen und -schüler in höherem Maße fokussiert werden, um erfolgreiches Lernen zu ermöglichen.
Weiterhin lässt sich in Bezug auf die Diagnostik der Lesekompetenz – als wichtiger Entscheidungsgrundlage für eine zielgerichtete Förderung – feststellen, dass schriftlichen, standardisierten Verfahren seitens der Lehrkräfte eine geringere Bedeutung beigemessen wird als der Beobachtung ihres Arbeitsverhaltens und ihrer Beteiligung am Unterricht. Für eine systematische Weiterentwicklung des (Lese-)Unterrichts bietet eine regelmäßige Evaluation des Kompetenzstandes mithilfe von standardisierten Testverfahren jedoch eine wertvolle Informationsgrundlage.
Zuletzt verdeutlicht die Analyse der eingesetzten Lesestrategien in der Zusammenschau der drei untersuchten Bereiche, dass Deutschland für den überwiegenden Teil der Strategien signifikant unter dem Mittelwert der EU-Teilnehmerstaaten und -regionen liegt. Die betrachteten Lesestrategien werden hierzulande also mit einem geringeren Anteil der Kinder in der vierten Klasse regelmäßig geübt. Basale Fähigkeiten werden in den vierten Klassen gefördert, wobei insbesondere lautes Vorlesen oder leises Lesen häufig vorkommen. Dabei ist es empfehlenswert, die aktive Lesezeit aller Kinder möglichst hoch zu halten. Bei ausreichender Leseflüssigkeit helfen insbesondere Organisations- und Elaborationsstrategien das Leseverständnis weiterzuentwickeln, sodass ein regelmäßiger, routinierterer Einsatz dieser Strategien beim Lesen in hohem Maße zur Lesekompetenz beiträgt.
Insgesamt scheinen also neben der bloßen Erhöhung der Lesezeit insbesondere die Steigerung der Qualität mittels verbesserter Klassenführung, systematischer Diagnostik und Nutzung verständnisvertiefender Lesestrategien mögliche Hebel zur Verbesserung des Leseunterrichts in Deutschland zu sein“ (S. 10f)
https://ifs.ep.tu-dortmund.de/storages/ifs-ep/r/Download_Praxisportal/Kurzbericht_TfE05_Unterricht_Lesezeit.pdf

Siehe auch:

08.01.2024
PM
Häufig keine effiziente Klassenführung – Leseunterricht an Grundschulen auch didaktisch optimierbar
Gemeinsam für bessere Bildung:
Tuesdays for Education widmen sich der Untersuchung von Unterrichtsqualität und Lesezeit Grundschulkinder attestieren ihren Lehrkräften keine ausreichend effiziente Klassenführung, fühlen sich aber in hohem Maße kognitiv aktiviert und nehmen ihre Lehrkräfte als unterstützend wahr.
Weiterhin wird systematischen Diagnostikverfahren bei der Kompetenzermittlung im Durchschnitt eine eher geringe Bedeutung beigemessen und es werden in Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Staaten seltener Lesestrategien eingesetzt, die das Verständnis vertiefen.
Mehr: https://ifs.ep.tu-dortmund.de/storages/ifs-ep/r/Downloads_allgemein/Pressemeldung_TfE05_Unterricht_Lesezeit.pdf
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Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

08.01.2024
Monitoring SDG 4.7: Assessing Education for Sustainable Development in policies, curricula, training of educators and student assessment (input-indicator)
AbstractEducation is viewed as a critical keystone in achieving the Sustainable Development Goals (SDGs). Specifically, Education for Sustainable Development (ESD) is meant to enable everyone to contribute to sustainable development (SDG 4.7). This target is monitored using the global indicator 4.7.1 – mainstreaming of ESD in policies, curricula, training of educators and student assessment. Here, we offer a conceptual and methodological framework for assessments of SDG 4.7.1 (input-level) that addresses both quality and depth of implementation and speed of change. The approach combines document analysis with external expert evaluation and is applied to 10-year data (>11,000 documents) from all formal areas of education in Germany (early childhood education, school education, vocational education and training, higher education). Currently, ESD is mostly implemented in Germany as an “add-on” to the educational system, with all sub-indicators ranging from “isolated mentioning” of ESD and related concepts to “partial integration”. Across most areas of education, the sub-indicator training of educators was evaluated as most deficient. With regard to the speed of change, it was found that the implementation of ESD is dynamic, with all sub-indicators having been evaluated as increasing. The proposed framework can increase the validity, reliability, and comparability of both country reporting and scientific assessments of SDG 4.7.1. We argue for independent and integrative monitoring across input, process, output and outcome to complement self-reporting and to support evidence-informed policymaking on sustainability in education.“
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/sd.2865

Siehe auch:
* FU Berlin
09.01.2024
Nachhaltigkeit: Bisher nur ein „Add-On“ im Bildungssystem
Bildungsforschende der Freien Universität Berlin veröffentlichen neue Studie zu Nachhaltigkeit in Schule, Frühkindlicher Bildung, Beruflicher Bildung und Hochschule
Bis 2030 soll Bildung alle Menschen in die Lage versetzen, aktiv zur Gestaltung einer nachhaltigeren Zukunft beitragen zu können. Diesem Ziel der Vereinten Nationen (UN) haben sich die Bundesregierung und die Landesregierungen ver­schrieben. Doch eine aktuelle Studie aus der Bildungs- und Nachhaltigkeitsforschung der Freien Universität Berlin zeigt: Nachhaltigkeit ist in der formalen Struktur des deutschen Bildungssystems bisher nur ein „Add-On“. Untersucht wurden über 11.000 Dokumente aus den Bereichen Früher Bildung, Schule, beruflicher Bildung und Hochschule. Nachhaltigkeit werde in Gesetzen, Bildungsplänen, Modulbeschreibungen, Prüfungen und anderen Dokumenten zwar zunehmend aufgegriffen, sei jedoch meist eine von vielen weiteren Nebenaufgaben…
https://www.fu-berlin.de/presse/informationen/fup/2024/fup_24_044-studie-nachhaltigkeit-bildung/index.html

* Bundesministerium für Bildung und Forschung
Monitoring
Wie gut ist BNE in Deutschland bereits in den verschiedenen Bildungsbereichen verankert? Um dies herauszufinden, wird ein bundesweites BNE-Monitoring durchgeführt.
Wie tiefgreifend ist Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) bereits in den verschiedenen Bildungsbereichen verankert? Wie steht es um die praktische Umsetzung? Was sind Faktoren, die eine BNE-Umsetzung unterstützen oder hemmen? Wie wird der Prozess vom Projekt zur Struktur verhandelt und umgesetzt? Welche Empfehlungen für Politik und Praxis lassen sich daraus ableiten?
Mehr: https://www.bne-portal.de/bne/de/bundesweit/monitoring/monitoring_node.html

* FU Berlin
Wissenschaftliche Beratung und nationales Monitoring zu Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
Publikationen
:
https://www.ewi-psy.fu-berlin.de/erziehungswissenschaft/arbeitsbereiche/institut-futur/publikationen/Nationales-Monitoring-zu-Bildung-fuer-nachhaltige-Entwicklung/index.html

* 14.01.2024
BNE-Monitoring: Nachhaltigkeit bisher nur ein „Add-on“ im Bildungssystem
Den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen haben sich Bund und Länder auf verschiedensten Ebenen verschrieben. Im Hinblick auf die Umsetzung der Bildungskampagne „Bildung für nachhaltig Entwicklung“ identifizieren Forscherinnen und Forscher allerdings noch viel Luft nach oben.
Mehr: https://www.news4teachers.de/2024/01/bne-monitoring-nachhaltigkeit-bisher-nur-ein-add-on-im-bildungssystem/
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09.01.2024
Von wegen „Streber“: Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler sind zumeist beliebt
Stereotype über unbeliebte Streberinnen und Streber halten sich hartnäckig – nicht zuletzt aufgrund einer häufig klischeehaften Darstellung in den Medien. Ein Forschungsteam vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen und dem Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Humboldt-Universität zu Berlin hat nun anhand von Daten einer großangelegten Studie untersucht, wie es tatsächlich um die soziale Integration von leistungsstarken Schülerinnen und Schülern steht.
Mehr: https://www.news4teachers.de/2024/01/von-wegen-streber-leistungsstarke-schuelerinnen-und-schueler-sind-zumeist-beliebt/
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09.12.2023
Leibniz-Institut für Bildungsverläufe
Ein Jahr nach Lehramtsstudienabschluss : Wer beginnt nach dem Lehramtsstudium das Referendariat?
„Die Untersuchung konnte einige Unterschiede zwischen Personen aufzeigen, die nach dem Lehramtsstudienabschluss ein Referendariat beginnen von den Personen, die direkt als Lehrkraft arbeiten oder sich zunächst vom Lehrberuf abkehren. Allerdings muss kritisch angemerkt werden, dass die Unterschiede im statistischen Sinne nur als sehr klein zu benennen sind. Desweiteren beziehen sich die Unterschiede auf verschiedene Eigenschaften von Lehramtsstudierenden und Strukturmerkmale des Lehramtsstudiums. Daraus folgt, dass es nicht ein bestimmter Faktor ist, der Absolventinnen und Absolventen des Lehramtsstudiums dazu bringt, sich vom Lehramt abzukehren oder nicht. Tatsächlich scheint insbesondere die Attraktivität des Referendariats und des Lehrkraftberufs eine Rolle zu spielen.
Eine offene und wichtige Frage bleibt bestehen:
Wie muss das Lehramt zukünftig gestaltet werden, sodass mehr Männer und Personen mit guten Noten nach Studienabschluss ein Referendariat beginnen und sich nicht stattdessen für einen anderen Karriereweg entscheiden?“
https://www.lifbi.de/Portals/2/Publikationen/Transferberichte/LIfBi%20Forschung%20kompakt/LIfBi-Forschung-kompakt_04_LAP.pdf

Siehe auch:
Nach dem Lehramtsstudium ins Referendariat? Jeder fünfte Absolvent entscheidet sich dagegen
Auf das Lehramtsstudium folgt in Deutschland das Referendariat – zumindest in der Theorie. Doch 20 Prozent der Absolventinnen und Absolventen entscheiden sich gegen diesen Weg. Insbesondere Männer und Personen mit guten Abschlussnoten wenden sich nach dem erfolgreich abgeschlossenen Studium einer anderen Tätigkeit zu. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe (LIfBi) – und liefert gleichzeitig mögliche Gründe für die Abgänge.
Mehr: https://www.news4teachers.de/2023/12/nach-dem-lehramtsstudium-ins-referendariat-jeder-fuenfte-absolvent-entscheidet-sich-dagegen/
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PISA 2022

* https://www.oecd.org/publication/pisa-2022-results/index
* https://www.oecd.org/berlin/themen/pisa-studie/
* https://www.pisa.tum.de/pisa/pisa-2022/

PISA 2022 Ergebnisse (Band I)
Lernstände und Bildungsgerechtigkeit
„PISA – die Internationale Schulleistungsstudie der OECD – untersucht, was Schüler*innen in den Bereichen Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften wissen und wie gut sie dieses Wissen anwenden können. Die PISA-Studie ist die bisher umfassendste und genaueste internationale Erhebung der Lernstände von Schüler*innen. Ihre Ergebnisse geben Aufschluss über Bildungsqualität und Bildungsgerechtigkeit weltweit und gestatten es Pädagog*innen und politisch Verantwortlichen, aus der Bildungspolitik und -praxis anderer Länder zu lernen. Dies ist der erste von fünf Bänden, in denen die Ergebnisse von PISA 2022, der achten Erhebungsrunde, vorgestellt werden. Band I, Lernstände und Bildungsgerechtigkeit, befasst sich mit den Schülerleistungen in Mathematik, Lesekompetenz und Naturwissenschaften. Zudem richtet er das Augenmerk auf geschlechtsspezifische Leistungsunterschiede und untersucht, welche Zusammenhänge zwischen Leistungen und sozioökonomischem Status sowie Migrationshintergrund bestehen können. Außerdem wird beschrieben, wie sich Bildungsqualität und Bildungsgerechtigkeit im Vergleich zu früheren PISA-Erhebungen entwickelt haben.“
https://www.oecd.org/publications/pisa-2022-ergebnisse-band-i-6004956w.htm
Download:
* https://www.oecd-ilibrary.org/docserver/6004956w.pdf?expires=1702044065&id=id&accname=guest&checksum=3584C1B6017359FDF2AAC1D11801288E

PISA 2022 ResultsLearning During – and From – Disruption (Publication Volume II)
Download:
https://read.oecd-ilibrary.org/view/?ref=1235_1235424-abhqmrcc07&title=PISA-2022-Results-Volume-II

05.12.2023
PISA 2022 Country Notes Deutschland
https://www.oecd.org/media/oecdorg/satellitesites/berlincentre/pressethemen/GERMANY_Country-Note-PISA-2022_DEU.pdf
Siehe auch:
https://www.oecd.org/publication/pisa-2022-results/country-notes/germany-1a2cf137/

Analyse der Bildungsergebnisse in Deutschland – Zusammenfassung
https://www.pisa.tum.de/fileadmin/w00bgi/www/Berichtsbaende_und_Zusammenfassungungen/PISA-2022-zusammenfassung.pdf

05.12.2023
KMK - Stärkung der Basiskompetenzen dringend notwendig - PISA 2022-Ergebnisse vorgestellt
Die schulischen Leistungen der Fünfzehnjährigen in Deutschland sind in den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften merklich gesunken. Dieser Rückgang zeigt sich für Mathematik und Lesen auch in den meisten anderen OECD-Staaten.
Mehr: https://www.kmk.org/aktuelles/artikelansicht/staerkung-der-basiskompetenzen-dringend-notwendig-pisa-2022-ergebnisse-vorgestellt.html

Siehe auch:

* Was sagt uns die Studie wirklich?: „Ein Ausstieg aus Pisa könnte sinnvoll sein“
Unterschiedliche Stichproben, falscher Fokus – der Bildungsforscher Heiner Barz kritisiert schon länger die Pisa-Methodik. Sie umgeht aus seiner Sicht die offensichtlichen Probleme.
Mehr: https://www.tagesspiegel.de/wissen/was-sagt-uns-die-studie-wirklich-ein-ausstieg-aus-pisa-konnte-sinnvoll-sein-10889485.html Achtung: Nichtfrei zugänglich („Bezahlsperre“)

* Ergebnis der PISA-Studie "Der Blick auf die Schwachen kommt zu kurz"
Das schlechte Abschneiden bei der PISA-Studie zeigt grundsätzliche Probleme deutscher Schulen auf, sagt der Bildungsexperte Köller. Es brauche kluge Angebote, schwächere Schülerinnen und Schüler systematisch zu fördern.
Mehr: https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/pisa-studie-interview-100.html
Siehe auch:
* Zwanzig Jahre PISA und kein bisschen weiser

Von Olaf Köller
https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/pisa-studie-welche-akuten-bildungs-krisen-sie-in-deutschland-zeigt-19365215.html Achtung: Nichtfrei zugänglich („Bezahlsperre“)

* Wie Deutschland seine Migrantenkinder im Stich lässt und Potenziale verschenkt
Das deutsche Bildungssystem versagt nicht nur bei internationalen Leistungstests. Es ist auch zutiefst ungerecht. Was jetzt passieren muss, damit Aufstieg durch Bildung nicht Glückssache bleibt.
Mehr: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/pisa-studie-wie-deutschland-seine-migrantenkinder-im-stich-laesst-und-potenziale-verschenkt-gastbeitrag-a-9ff2f448-5837-49f4-b70c-ab8ecd77dedb

* Pisa – VBE: Es braucht jetzt endlich multiprofessionelle Teams an Schulen!
Die schlechten Ergebnisse der aktuellen Pisa-Studie hat der VBE-Bundesvorsitzende Gerhard Brand zum Anlass genommen, vor falschen Schlussfolgerungen zu warnen: „Die üblichen Reflexe werden uns nicht helfen. Dem Ruf nach Fokussierung auf die Basiskompetenzen erteile ich schon im Voraus eine scharfe Absage. Werden Kinder nicht ganzheitlich gebildet, lernen sie nicht so gut. Sprachen, Kunst und Musik müssen genauso einen festen Platz im Lehrplan haben wie Deutsch und Mathematik. Wir müssen bilden und erziehen mit Kopf, Herz und Hand“, sagt er.
Mehr: https://www.news4teachers.de/2023/12/vbe-zu-pisa-ergebnissen-es-braucht-jetzt-endlich-multiprofessionelle-teams-an-schulen/

* Ex-Leiterin der Berliner Rütli-Schule über Pisa: „Warum nicht Grundschule bis zur 8. Klasse?“
Heute wurden die neuen Ergebnisse der internationalen Bildungsstudie veröffentlicht. Cordula Heckmann, ehemalige Schulleiterin auf dem Campus Rütli, fordert radikale Reformen statt „Trippelschritten“.
Mehr: https://www.tagesspiegel.de/berlin/schule/ex-leiterin-der-rutli-schule-uber-pisa-warum-nicht-grundschule-bis-zur-8-klasse-10870045.html Achtung: Nichtfrei zugänglich („Bezahlsperre“)

* Pisa-Schock: Bildungsminister stellt gegliedertes Schulsystem infrage
Nach dem Pisa-Schock wird hektisch nach politischen Antworten auf das schlechte Abschneiden deutscher Schüler gesucht. Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) plädiert für längeres gemeinsames Lernen – und eine Verfassungsänderung, die den Bund stärker ins Spiel bringt. Dabei findet nicht mal der Vorschlag, eine Ministerpräsidentenkonferenz einzuberufen, Anklang.
Mehr: https://www.news4teachers.de/2023/12/pisa-schock-bildungsminister-stellt-gegliedertes-schulsystem-infrage/

* Bildungsforscher über Migration und den Pisa-Schock: „Zweisprachigkeit sollte von Anfang an als Trumpf wahrgenommen werden“
Der Jugend- und Bildungsforscher Klaus Hurrelmann sieht in der mangelnden sozialen Integration einen Grund für das schlechte Abschneiden bei der Pisa-Studie. Grundlegende Weichenstellungen seien jetzt nötig.
Mehr: https://www.tagesspiegel.de/wissen/bildungsforscher-hurrelmann-uber-migration-und-den-pisa-schock-zweisprachigkeit-sollte-von-anfang-an-als-trumpf-wahrgenommen-werden-10896334.html

* Experten fordern "endlich einen Pisa-Ruck"
Zu wenig Lehrer, Investitionen und Digitalisierung, zu viel soziale Ungleichheit: Bildungsexperten, Lehrer und Wirtschaft zeigen sich schockiert über die Pisa-Ergebnisse.
Mehr: https://www.zeit.de/gesellschaft/2023-12/pisa-studie-ergebnisse-schueler-schule-gew-dgb-vbe-ifo-reaktionen

* Pisa-Fakten: Fast 40 Prozent der Schüler hören ihren Mathe-Lehrkräften nicht zu
Die Pisa-Studie sorgt einmal mehr gehörig für Wirbel in Deutschland. Was lässt sich daraus ableiten? Der bildungspolitische Streit darüber wird die nächsten Monate prägen. Umso wichtiger erscheint es zu wissen, was wirklich erhoben wurde und welche Schlussfolgerungen sich direkt daraus ziehen lassen. Wir dokumentieren die wichtigsten Ergebnisse – Teil eins.
Mehr: https://www.news4teachers.de/2023/12/pisa-fakten-fast-40-prozent-der-schueler-hoeren-ihren-mathe-lehrkraeften-nicht-zu/

* Neue PISA-Studie : Deutsche Schüler schneiden so schlecht ab wie nie
Die deutschen Schülerinnen und Schüler haben im internationalen Leistungsvergleich PISA im Jahr 2022 das bisher schlechteste Ergebnis erzielt. Auch in den meisten anderen OECD-Staaten sanken die akademischen Fähigkeiten.
Mehr: https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/pisa-studie-128.html

* Deutschland mies bei Pisa-Studie: Chancengleichheit im Vorschulalter
Wer gute Ergebnisse anstrebt, muss in die Förderung der Kinder investieren. Schon im Vorschulalter sollte die Bildungskluft geschlossen werden.
Mehr: https://taz.de/Deutschland-mies-bei-Pisa-Studie/!5974036/

* Deutschland mies bei Pisa-Studie 2022: Absturz einer Bildungsnation
Bei der aktuellen Pisa-Studie fällt Deutschland weiter zurück – vor allem in den Bereichen Mathematik und Lesen. Das sind die zentralen Ergebnisse.
Mehr: https://taz.de/Deutschland-mies-bei-Pisa-Studie-2022/!5978308/

* Pisa-Studie: Mieses Zeugnis für deutsches Bildungssystem
Erstmals nach der Corona-Pandemie hat Deutschland ein neues Pisa-Zeugnis erhalten - und das Ergebnis ist verheerend. Die deutschen Schülerinnen und Schüler haben in der internationalen Leistungsstudie Pisa im Jahr 2022 so schlecht abgeschnitten wie noch nie zuvor.
Mehr: https://www.sueddeutsche.de/bildung/bildung-pisa-studie-mieses-zeugnis-fuer-deutsches-bildungssystem-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-231205-99-185653
Siehe auch:
Neuer Pisa-Schock: Deutsche Schüler so schlecht wie nie
Mehr: https://www.sueddeutsche.de/bildung/bildung-neuer-pisa-schock-deutsche-schueler-so-schlecht-wie-nie-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-231205-99-186458

* Neuer Pisa-Schock: Deutschlands Schüler schneiden so schlecht ab wie nie
Jugendliche in Deutschland erhalten in Mathematik, im Lesen und in Naturwissenschaften die niedrigsten Werte, die für Deutschland jemals im Rahmen von Pisa gemessen wurden. Die Gründe sind vielschichtig.
Mehr: https://www.news4teachers.de/2023/12/neuer-pisa-schock-deutsche-schueler-schneiden-so-schlecht-ab-wie-nie-nicht-nur-wegen-corona/

* Deutschlands Schüler bei Pisa-Studie so schlecht wie nie – das Desaster im Detail
Die Ergebnisse der diesjährigen Pisa-Studie sind vernichtend: Das Bildungsniveau in Deutschland ist auf einem Tiefpunkt angelangt. Was sagt Berlins Bildungssenatorin?
Mehr: https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/pisa-studie-deutschlands-schueler-so-schlecht-wie-nie-das-desaster-im-detail-li.2165452
Siehe auch:
* https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/neuer-pisa-schock-deutsche-schuler-so-schlecht-wie-nie-li.2165435
* https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/pisa-rund-30-prozent-gehoeren-in-mathe-zu-den-besonders-leistungsschwachen-19361560.html

* Negativrekord bei Pisa-Studie: Jugendliche aus Deutschland schneiden so schwach ab wie nie
Bei der neuen Pisa-Studie fallen die Schüler aus Deutschland unter das Niveau von vor zwanzig Jahren. Damit ist Deutschland nur noch OECD-Durchschnitt. Auch weltweit gehen die Leistungen zurück.
Mehr: https://www.tagesspiegel.de/wissen/neuer-pisa-schock-jugendliche-aus-deutschland-schneiden-so-schwach-wie-nie-ab-10865425.html

* Gewöhnung an die Pisa-Katastrophe: Die Pandemie liefert die perfekte Ausrede
Die Lage ist schlimmer als je zuvor: Deutsche Jugendliche haben bei Pisa noch schlechter abgeschnitten als im Jahr 2001. Etwas verändern wird sich dadurch dennoch nicht.
Mehr: https://www.tagesspiegel.de/meinung/gewohnung-an-den-pisa-schockzustand-die-pandemie-liefert-die-perfekte-ausrede-10880887.html

* Pisa – GEW spricht von beschämenden Ergebnissen für die Schulpolitik
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mahnt mit Blick auf die ernüchternden Pisa-Befunde dringend eine konsequente individuelle Förderung der Kinder und jungen Menschen an. Dafür müssten die Anstrengungen, den Lehr- und Fachkräftemangel effektiv zu bekämpfen, deutlich erhöht werden. Zudem schlägt die GEW einen Masterplan gegen Bildungsarmut und soziale Ungerechtigkeit vor. Dass sich die Abhängigkeit der schulischen Leistungen der Kinder und Jugendlichen vom Elternhaus seit über 20 Jahren nicht verringert hat, bezeichnet die Bildungsgewerkschaft als „Skandal“.
Mehr: https://www.news4teachers.de/2023/12/gew-pisa-ergebnisse-spiegeln-lehr-und-fachkraeftemangel-wider/

* Neue Pisa-Studie zeigt dramatischen Absturz in Mathematik
Die erste Pisa-Studie nach der Pandemie lässt das deutsche Schulsystem durchfallen. Darunter leiden nicht nur sozial schwache Kinder.
Mehr: https://www.morgenpost.de/politik/article240747856/Neue-Pisa-Studie-zeigt-dramatischen-Absturz-in-Mathematik.html

* Pisa-Schock: Die drei wichtigsten Lehren für die Schulen
Wie können Schülerinnen und Schüler in Deutschland besser werden? Bildungsforscher und Experten erklären, worauf es jetzt ankommt.
Mehr: https://www.morgenpost.de/politik/article240751706/Pisa-Schock-Die-drei-wichtigsten-Lehren-fuer-die-Schulen.html

* Pisa-Schock und Staatsversagen: Der deutsche Staat kann es nicht
Die Pisa-Studie sagt wenig über unsere Schüler, aber sehr viel über die Leistungsfähigkeit unseres Staates aus. Trotz hoher Abgaben produziert er regelmäßig miese Ergebnisse. Ein Kommentar.
Mehr: https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/schlechte-schueler-die-pisa-studie-offenbart-deutschlands-staatsversagen-li.2165602

* „Mangel, Mangel und noch mehr Mangel“: Pisa wird (einmal mehr) zeigen, dass die Bildungspolitik ihre Hausaufgaben nicht macht
Alle drei Jahre müssen Deutschlands Schülerinnen und Schüler zum Pisa-Test. Die Ergebnisse werden seit dem sogenannten Pisa-Schock von 2001 jedes Mal mit Spannung erwartet – so auch am morgigen Dienstag, wenn die neueste Studie vorgestellt wird. Absehbar ist: Deutschland Bildungssystem wird wieder ein schlechtes Zeugnis bekommen. Der Philologenverband warnt zwar davor, die Ergebnisse überzubewerten. Das Institut der deutschen Wirtschaft zeigt sich aber alarmiert.
Mehr: https://www.news4teachers.de/2023/12/mangel-mangel-und-noch-mehr-mangel-pisa-wird-einmal-mehr-zeigen-dass-die-bildungspolitik-ihre-hausaufgaben-nicht-macht/

* Pisa-Aufgaben Mathematik Können Sie besser rechnen als ein 15-Jähriger?
Fast ein Drittel der 15-Jährigen scheitert an einfachen Matheaufgaben. Hätten Sie es besser gekonnt? Hier sind 23 Beispielaufgaben der Pisa-Forscher.
Mehr: https://www.spiegel.de/panorama/bildung/pisa-aufgaben-mathematik-haetten-sie-es-gewusst-a-8d71d5ec-c112-42f9-b7e7-dd34453c0b9c
siehe auch:
https://www.tagesspiegel.de/wissen/wissen-sies-besser-losen-sie-pisa-aufgaben-in-mathe-10866823.html Achtung: Nichtfrei zugänglich („Bezahlsperre“)
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03.11.2023
Bundesinstitut für Berufsbildung
Vorzeitige Vertragslösungen in der dualen Berufsausbildung
Aktuelle empirische Befunde der Berufsbildungsstatistik und Maßnahmen – Ein Überblick
Aktuelle Befunde
Im Berichtsjahr 2022 wurden 155.325 Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst. Gut ein Drittel aller Vertragslösungen erfolgten in der Probezeit, ein weiteres Drittel nach der Probezeit, aber noch im ersten Jahr nach Beginn des Ausbildungsverhältnisses. Weitere knapp 23 % erfolgten im zweiten Jahr nach Vertragsbeginn. Im Ausbildungsverlauf sehr spät erfolgende Vertragslösungen kommen seltener vor (gut 10 % der Vertragslösungen 2022 erfolgten 25 Monate nach Antritt des Ausbildungsverhältnisses oder später; im Zeitraum 37 Monate nach Antritt oder später lagen nur 2 % der Vertragslösungen).“ (S.8)
https://www.bibb.de/dokumente/pdf/dazubi_informationsbeitrag_vertragsloesungen-befunde-massnahmen-ueberblick.pdf

Siehe auch:
https://www.news4teachers.de/2023/11/rekordhoch-ausbildungsvertragsloesungen-erreichen-fast-30-prozent/
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22.11.2023
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB)
Frühe Ungleichheiten : Zugang zu Kindertagesbetreuung aus bildungs- und gleichstellungspolitischer Perspektive

Kurzzusammenfassung
„Die Analysen zeigen, dass es nach wie vor stark ausgeprägte Ungleichheiten in der Kita-Nutzung nach familialen Merkmalen gibt. Diese Unterschiede sind im zweiten und dritten Lebensjahr der Kinder am größten, zeigen sich aber teilweise bis zum Schuleintritt. Kinder aus Familien, die armutsgefährdet sind, in denen überwiegend kein Deutsch gesprochen wird oder in denen Eltern keinen akademischen Hintergrund aufweisen, besuchen insbesondere im Alter zwischen ein und unter drei Jahren, aber teilweise auch darüber hinaus, deutlich seltener eine Kita als andere Kinder. (…)
Die geringere Kita-Nutzung von potenziell benachteiligten Familien kann allerdings kaum auf einen geringeren Bedarf zurückgeführt werden. Stattdessen werden bestehende Kita-Bedarfe dieser Familien vor allem seltener gedeckt. (…) Während insgesamt 21 Prozent aller Familien mit Kindern zwischen ein und unter drei Jahren sich einen Kita-Platz wünschen, ihn aber nicht bekommen haben, sind es 25 Prozent der Familien ohne akademischen Hintergrund, 33 Prozent der armutsgefährdeten Familien und 39 Prozent der Familien, in denen überwiegend kein Deutsch gesprochen wird. Auch Familien, in denen die Mutter nicht erwerbstätig ist, weisen mit 31 Prozent vergleichsweise hohe ungedeckte Bedarfe auf. Kinder von Alleinerziehenden nutzen Kitas zwar häufiger, dennoch sind die Bedarfe von Alleinerziehenden im Alter zwischen ein und unter drei Jahren auch deutlich höher. Etwa 27 Prozent der Alleinerziehenden weisen einen ungedeckten Kita-Bedarf auf, deutlich häufiger als in Paarfamilien. Weisen Familien mehrere Merkmale auf, die auf eine potenzielle Benachteiligung schließen lassen, sind die genannten Unterschiede in den ungedeckten Bedarfen noch einmal stärker ausgeprägt. (…)
Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass Familien, deren Kinder in Kitas bisher unterrepräsentiert sind, den Nutzen eines Kita-Platzes als geringer wahrnehmen und sowohl bei der Suche nach Kita-Plätzen größeren Hürden gegenüberstehen als auch auf Angebote treffen, die weniger die spezifischen Bedarfe dieser Familien abdecken. So empfinden sie die Suche nach Kita-Plätzen als schwieriger und bemängeln beispielsweise häufiger fehlende, wohnortnahe Betreuungsangebote. Auf der Angebotsseite sind die fehlenden Kita-Plätze das Hauptproblem, besonders im Ganztagsbereich – aber teilweise auch die konkrete Ausgestaltung der Angebote, die dazu führen, dass Angebote von bestimmten Familien mit Bedarf nicht genutzt werden.
Die Ungleichheiten in der Bedarfsdeckung haben weitreichende Implikationen – sowohl aus bildungspolitischer als auch aus gleichstellungspolitischer Perspektive, da nicht nur Bildungspotenziale von Kindern, sondern auch Erwerbspotenziale insbesondere von Müttern nicht genutzt werden.“ (S. 2ff)
Download der Studie:
https://www.bib.bund.de/Publikation/2023/pdf/Fruehe-Ungleichheiten-Zugang-zu-Kindertagesbetreuung-aus-bildungs-und-gleichstellungspolitischer-Perspektive.pdf?__blob=publicationFile&v=1

Siehe auch:

* 22.11.2023
Pressemitteilung des BiB
https://www.bib.bund.de/DE/Presse/Mitteilungen/2023/pdf/2023-11-23-Fruehe-Ungleichheiten.pdf?__blob=publicationFile&v=2

* https://www.bib.bund.de/DE/Aktuelles/2023/2023-11-22-Fruehe-Ungleichheiten-Warum-Kinder-aus-potenziell-benachteiligten-Familien-seltener-eine-Kita-besuchen.html

Ungleichheit in der Kita: Gebt der Zukunft einen Platz
Kinder migrantischer Eltern bekommen viel seltener einen Kita-Platz als solche aus deutschen Familien. Das ist nicht nur unfair, sondern auch unklug.
Mehr: https://taz.de/Ungleichheit-in-der-Kita/!5971394/

Siehe auch:
https://www.news4teachers.de/2023/11/rekordhoch-ausbildungsvertragsloesungen-erreichen-fast-30-prozent/

 

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03.11.2023
Bundesinstitut für Berufsbildung
Vorzeitige Vertragslösungen in der dualen Berufsausbildung
Aktuelle empirische Befunde der Berufsbildungsstatistik und Maßnahmen – Ein Überblick
Aktuelle Befunde
Im Berichtsjahr 2022 wurden 155.325 Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst. Gut ein Drittel aller Vertragslösungen erfolgten in der Probezeit, ein weiteres Drittel nach der Probezeit, aber noch im ersten Jahr nach Beginn des Ausbildungsverhältnisses. Weitere knapp 23 % erfolgten im zweiten Jahr nach Vertragsbeginn. Im Ausbildungsverlauf sehr spät erfolgende Vertragslösungen kommen seltener vor (gut 10 % der Vertragslösungen 2022 erfolgten 25 Monate nach Antritt des Ausbildungsverhältnisses oder später; im Zeitraum 37 Monate nach Antritt oder später lagen nur 2 % der Vertragslösungen).“ (S.8)
https://www.bibb.de/dokumente/pdf/dazubi_informationsbeitrag_vertragsloesungen-befunde-massnahmen-ueberblick.pdf

Siehe auch:
https://www.news4teachers.de/2023/11/rekordhoch-ausbildungsvertragsloesungen-erreichen-fast-30-prozent/

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Oktober 2023
Next Generations Study 2023 : Wie junge Erwachsene in Europa die Zukunft gestalten - Länderbericht Deutschland
„Junge Erwachsene in Deutschland, Griechenland, Großbritannien, Italien und Polen schauen mit großer Sorge in die Zukunft. Acht von zehn bezweifeln, dass ihre Generation Kinder haben sollte und viele glauben, dass die Grundlagen für eine lebenswerte Zukunft zunehmend bedroht sind. Die Mehrheit befürchtet, dass ihre Gesellschaften ungleicher, gespaltener und unsicherer werden. Und auch der Klimawandel bereitet Kopfschmerzen.
Viele der Befragten aus den beiden Generationen Z und Y wollen jedoch aktiv mitbestimmen, wie diese und andere drängende Herausforderungen angegangen werden.“
https://res.cloudinary.com/allianz-foundation/image/upload/v1698683003/DE_Movers_of_Tomorrow_Country_Report_deutsch_659e1e4188.pdf
Mehr:
* https://allianzfoundation.org/study/movers-of-tomorrow
* https://allianzfoundation.org/study/movers-of-tomorrow/downloads
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Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (European Union Agency for Fundamental Rights)
Being Black in the EU - Experiences of people of African descent
Download
der Studie:
https://fra.europa.eu/sites/default/files/fra_uploads/fra-2023-being-black_in_the_eu_en.pdf

Siehe auch:
* Schwarze Menschen beklagen Rassismus in Deutschland – und im deutschen Schulsystem (weit öfter als in anderen EU-Staaten)
In einer Studie zu Rassismus gegen Schwarze in gut einem Dutzend EU-Staaten («Being Black in the EU») hat Deutschland am schlechtesten abgeschnitten. Auch das deutsche Bildungssystem kommt dabei nicht gut weg.
Mehr: https://www.news4teachers.de/2023/10/schwarze-menschen-beklagen-rassismus-in-deutschland-und-im-deutschen-schulsystem-weit-oefter-als-in-anderen-eu-staaten/
* Jeder zweite Schwarze erlebt Rassismus
https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/diskriminierung-rassismus-monitor-100.html
* Schwarze leiden unter Rassismus - besonders in Deutschland
https://www.sueddeutsche.de/politik/eu-schwarze-leiden-unter-rassismus-besonders-in-deutschland-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-231025-99-691850
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02.11.2023
Neuer Verteilungsbericht des WSI : Studie: Armut ist Risiko für Demokratie – Indizien für Zunahme der Einkommensungleichheit in der Krise
“ Die Einkommen in Deutschland sind heute sehr ungleich verteilt, wenn man die Entwicklung seit Ende der 1990er Jahre vergleicht. Zudem gibt es Indizien dafür, dass die Einkommensungleichheit während der Coronajahre erneut gestiegen ist und 2022 fast auf diesem Höchststand verharrte. Auch die Armutsquote liegt mit 16,7 Prozent 2022 spürbar höher als vor Beginn der Pandemie, gegenüber 2021 ist sie geringfügig gesunken. Insbesondere dauerhafte Armut (mindestens fünf Jahre in Folge) hat die gesellschaftliche Teilhabe schon vor der jüngsten Teuerungswelle stark eingeschränkt: Dauerhaft Arme müssen etwa deutlich häufiger auf Güter des alltäglichen Lebens wie neue Kleidung oder Schuhe verzichten, sie können seltener angemessen heizen. Und sie machen sich zudem deutlich häufiger Sorgen um ihre Gesundheit und sind mit ihrem Leben unzufriedener. Auch das Gefühl, anerkannt und wertgeschätzt zu werden und das Vertrauen in demokratische und staatliche Institutionen hängen stark mit dem Einkommen zusammen. Arme empfinden weitaus häufiger als Menschen mit mehr Geld, „dass andere auf mich herabsehen“, wobei das Problem unter Menschen in dauerhafter Armut noch weitaus ausgeprägter ist als bei temporärer Armut: Fast jede*r Vierte unter den dauerhaft Armen sagt, von anderen geringgeschätzt zu werden. Mit materiellen Einschränkungen und dem Gefühl geringer Anerkennung geht bei vielen Betroffenen eine erhebliche Distanz zu zentralen staatlichen und politischen Institutionen einher: Mehr als die Hälfte der Armen hat nur wenig Vertrauen in Parteien und Politiker*innen. Rund ein Drittel vertraut dem Rechtssystem allenfalls in geringem Maße.“
https://www.boeckler.de/de/pressemitteilungen-2675-studie-armut-ist-risiko-fur-demokratie-53417.htm
Download der Studie
https://www.wsi.de/fpdf/HBS-008729/p_wsi_report_90_2023.pdf

Siehe auch:
* Viele Deutsche sind zu arm für neue Schuhe, Kleidung oder eine warme Wohnung
https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/armut-in-deutschland-viele-buerger-zu-arm-fuer-neue-schuhe-kleidung-und-eine-warme-wohnung-a-19d1a51f-3eae-4575-a660-804fef4ef0b8
* Armut gefährdet die Demokratie
https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/boeckler-stiftung-demokratie-100.html
* Arme haben laut Studie wenig Vertrauen in demokratische Institutionen
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2023-11/verteilungsbericht-2023-armut-vertrauen-demokratische-institutionen
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07.11.2023
Bildung der Eltern beeinflusst Gesundheit der Kinder ein Leben lang
Nicht nur die Bildungschancen, sondern auch die Gesundheit von Kindern werden wesentlich vom Elternhaus geprägt – mit lebenslangen Folgen für das Wohlbefinden. Neue Analysen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) haben den engen Zusammenhang zwischen der Gesundheit im Erwachsenenalter und dem Bildungsabschluss der Eltern mit aktuellen Daten belegt. Demnach sind Menschen aus bildungsfernen Familien noch im Erwachsenenalter häufiger übergewichtig und schätzen ihre eigene Gesundheit schlechter ein als Kinder höher gebildeter Eltern. Die Daten der Untersuchung basieren auf der familiendemografischen Langzeitbefragung FReDA.“
https://www.bib.bund.de/DE/Presse/Mitteilungen/2023/2023-11-07-Bildung-der-Eltern-beeinflusst-Gesundheit-der-Kinder-ein-Leben-lang.html?nn=1219342
Download:
https://www.bib.bund.de/Publikation/2023/pdf/Eltern-ohne-Abitur-Kinder-langfristig-weniger-gesund.pdf?__blob=publicationFile&v=1

Siehe auch:
Bildungsherkunft hat laut Studie großen Einfluss auf Gesundheit
https://www.zeit.de/gesundheit/2023-11/bundesinstitut-bevoelkerungsforschung-bildung-eltern-gesundheit
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13.10.2023
IQB-Bildungstrends 2022
Sprachliche Kompetenzen am Ende der 9. Jahrgangsstufe im dritten Ländervergleich

„Mit dem IQB-Bildungstrend 2022 werden nun zum dritten Mal nach 2008/2009 und 2015 die Kompetenzstände der 9. Jahrgangsstufe im Fach Deutsch und in der ersten Fremdsprache Englisch/Französisch am gemeinsamen Maßstab der Bildungsstandards überprüft. Wir erhalten damit evidenzbasierte und differenzierte Aussagen, inwieweit sich das Kompetenzniveau der Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I in den sprachlichen Fächern im Zeitverlauf von fast 15 Jahren verändert hat. Wir müssen bei der Analyse und Bewertung allerdings berücksichtigen, dass die Schülerinnen und Schüler, deren Kompetenzstände im Frühsommer 2022 untersucht wurden, von gravierenden Einschränkungen des Schulbetriebs während der Pandemie betroffen waren.“ (S. 9)
Download der Studie: https://box.hu-berlin.de/f/a04b51784eda4c8b9e1e/?dl=1
Zusammenfassung: https://box.hu-berlin.de/f/286e96a9a06546b88f4e/?dl=1

12. Fazit
Insgesamt fallen die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2022 in den Fächern Deutsch und Englisch nahezu spiegelbildlich aus: Für das Fach Deutsch sind sie – wie im Jahr zuvor die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2021 im Primarbereich – in hohem Maße besorgniserregend, für das Fach Englisch hingegen äußerst erfreulich. So ist beispielsweise der Anteil der Neuntklässler:innen, die im Fach Deutsch die Mindeststandards für den MSA verfehlen, bundesweit um gut 9 Prozentpunkte im Lesen, um rund 16 Prozentpunkte im Zuhören und um fast 9 Prozentpunkte in der Orthografie angestiegen, während er sich im Fach Englisch im Leseverstehen und im Hörverstehen jeweils um fast 3 Prozentpunkte reduziert hat. Bezogen auf das Erreichen der Regelstandards in der Population der Neuntklässler:innen, die den MSA anstreben, fallen die positiven Entwicklungen im Fach Englisch noch deutlicher aus: Hier hat sich der Anteil der Schüler:innen, die mindestens die Regelstandards für den MSA erreichen, zwischen den Jahren 2015 und 2022 um 11 Prozentpunkte im Leseverstehen und um gut 10 Prozentpunkte im Hörverstehen erhöht. Dies ist eine bemerkenswert positive Entwicklung, die in deutlichem Kontrast zum negativen Trend im Fach Deutsch steht. Die spiegelbildlichen Veränderungen in den Fächern Deutsch und Englisch sind in fast allen Ländern zu beobachten, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung und auf unterschiedlichem Niveau.
Nicht nur die Ergebnisse für die Trends, sondern auch die Ergebnisse zum Erreichen der Bildungsstandards im Jahr 2022 fallen im Fach Englisch erheblich besser aus als im Fach Deutsch. Mit fast 23 Prozent im Lesen, gut 25 Prozent im Zuhören und gut 13 Prozent in der Orthografie sind im Fach Deutsch die Anteile der Schüler:innen, die den MSA anstreben und die Mindeststandards für diesen Abschluss verfehlen, zu hoch. Im Fach Englisch hingegen fallen die entsprechenden Anteile mit gut 15 Prozent im Leseverstehen und etwa 7 Prozent im Hörverstehen deutlich niedriger aus.
Worauf die Befundmuster für die Trends und für das im Jahr 2022 erreichte Kompetenzniveau in den beiden Fächern zurückzuführen sind, lässt sich anhand von Ergebnissen des IQB-Bildungstrends allein zwar nicht eindeutig bestimmen, die Studie liefert aber einige Hinweise auf mögliche Ursachen. Eine Ursache für die negativen Trends im Fach Deutsch dürfte in den pandemiebedingten Einschränkungen des Schulbetriebs liegen, die den Ergebnissen einer ganzen Reihe von Studien zufolge die Lernentwicklung der Schüler:innen beeinträchtigt haben. Hierfür spricht unter anderem, dass im Fach Deutsch alle Länder von Einbußen in den erreichten Kompetenzen betroffen sind. Weder Länder, in denen allgemein ein hohes Kompetenzniveau erreicht wird, noch Länder, in denen zwischen den Jahren 2009 und 2015 keine oder positive Veränderungen zu beobachten waren, blieben im Zeitraum 2015–2022 von negativen Trends im Fach Deutsch verschont. Auch wenn die Entwicklungen in den Ländern unterschiedlich ausgeprägt sind, ist aufgrund der überwiegend deutlichen Trends davon auszugehen, dass der Fern- und Wechselunterricht, der bundesweit über längere Zeiträume umgesetzt wurde, die ungünstigen Entwicklungen im Fach Deutsch in nicht unerheblichem Maße mit verursacht hat.
Vom Fern- und Wechselunterricht war allerdings auch das Fach Englisch betroffen, für das jedoch nahezu durchgängig positive Entwicklungen in den erreichten Kompetenzen zu verzeichnen sind. Diese konnten bereits für den Zeitraum 2009–2015 festgestellt werden und haben sich im Zeitraum 2015–2022 noch einmal verstärkt. Zwar ist nicht auszuschließen, dass im Englischunterricht die pandemiebedingten Einschränkungen des Schulbetriebs besser kompensiert werden konnten als im Deutschunterricht, plausibler erscheint jedoch die Annahme, dass der Kompetenzzuwachs im Lese- und Hörverstehen im Fach Englisch zu einem erheblichen Anteil auch auf außerschulische Lerngelegenheiten zurückzuführen ist. Insbesondere die Nutzung digitaler Medien, die während der pandemiebedingt reduzierten Möglichkeiten der Freizeitgestaltung zugenommen hat, findet vermutlich häufig in englischer Sprache statt. Dies dürfte die Entwicklung des Leseverstehens und vor allem auch des (tatsächlich besonders stark gestiegenen) Hörverstehens in Englisch fördern und zudem die Motivation für die Nutzung der Lerngelegenheiten steigern, die der Englischunterricht bietet. Damit übereinstimmend zeigt sich, dass das Interesse der Schüler:innen am Englischunterricht höher ist als das Interesse am Deutschunterricht
Eine weitere Ursache der Ergebnismuster, die im IQB-Bildungstrend 2022 für die untersuchten Kompetenzen identifiziert wurden, dürfte im weiter gestiegenen Anteil der Schüler:innen mit Zuwanderungshintergrund liegen. Insbesondere die Gruppe der Jugendlichen, die selbst im Ausland geboren und nach Deutschland zugewandert sind (erste Generation), erzielt im Jahr 2022 im Fach Deutsch ein deutlich geringeres Kompetenzniveau als im Jahr 2015. Der negative Trend ist im Zuhören besonders ausgeprägt, was auch darauf zurückzuführen sein könnte, dass Schüler:innen, die in der Familie eine andere Sprache als Deutsch sprechen, während der pandemiebedingten Einschränkungen des Schulbetriebs nur wenige Möglichkeiten für mündliche Kommunikation in Deutsch hatten. Zwar sind auch die Jugendlichen ohne Zuwanderungshintergrund und die in Deutschland geborenen Jugendlichen, deren Eltern im Ausland geboren sind (zweite Generation), von den negativen Trends im Fach Deutsch betroffen, allerdings in weniger ausgeprägtem Maße, wodurch sich der Kompetenznachteil der ersten Generation weiter verstärkt hat. Dies ist überwiegend auch im Fach Englisch der Fall, in dem die Jugendlichen ohne Zuwanderungshintergrund und die Jugendlichen der zweiten Generation im Zeitraum 2015–2022 ihre Kompetenzen steigern konnten, während bei den Jugendlichen der ersten Generation keine Veränderungen auftraten.
In der Gesamtschau weisen die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2022 erneut darauf hin, dass im Fach Deutsch der Fokus stärker auf die Sicherung von Mindeststandards gelegt werden sollte.
Dies zeigte sich bereits im IQB-Bildungstrend 2021 für den Primarbereich und nun auch für die Sekundarstufe I. Viele der Prinzipien, die im Gutachten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK) der KMK mit Bezug auf die Sicherung von Mindeststandards in der Grundschule leitend sind (SWK, 2022), wie z. B. die Bedeutung einer adaptiven Förderung als Dreischritt von (informeller oder formeller) Diagnostik, darauf bezogener Förderung und Evaluation des Lernerfolgs, sind auch auf die weiterführenden Schulen anwendbar. Wichtig ist ferner, die sprachliche Förderung von Schüler:innen auf den Prüfstand zu stellen, die mit geringen Deutschkenntnissen ins deutsche Bildungssystem kommen, und zu fragen, wie diese weiter verbessert werden kann und welche Unterstützung Schulen und Lehrkräfte hierbei benötigen. Auch dem Befund, dass bei einem sehr hohen Anteil der Schüler:innen das Interesse am Deutschunterricht sehr gering ausgeprägt ist und nur wenige Schüler:innen ein hohes Interesse am Fach Deutsch entwickeln, sollte genauer nachgegangen werden.
Der IQB-Bildungstrend 2022 macht jedoch nicht nur auf Problemlagen aufmerksam, sondern er weist auch nach, dass es Bereiche gibt, in denen Schüler:innen in Deutschland ihre Kompetenzen immer weiter ausbauen. So sind Neuntklässler:innen im Jahr 2022 deutlich besser in der Lage, schriftliche Texte und gesprochene Sprache in Englisch zu verstehen als 13 Jahre zuvor. Dies wird zwar in hohem Maße auch auf außerschulische Aktivitäten zurückzuführen sein, für die aber der Englischunterricht die Voraussetzungen schafft. Dieser dürfte in den letzten 20 Jahren deutlich kompetenzorientierter geworden sein.
Zwei weitere erfreuliche Befunde des IQB-Bildungstrends 2022 sollen abschließend hier noch einmal erwähnt werden: Zum einen sind auch die meisten Schüler:innen in der Sekundarstufe I – wie die Schüler:innen im Primarbereich – mit ihrer Schule sehr zufrieden und fühlen sich gut integriert. Zum anderen geben sowohl die Deutsch- als auch die Englischlehrkräfte der am IQB-Bildungstrend 2022 teilnehmenden Schüler:innen an, mit ihrer Berufswahl sehr zufrieden zu sein, mit Begeisterung zu unterrichten und viel Anstrengung in ihren Beruf zu investieren. Dies weist darauf hin, dass die Tätigkeit als Lehrkraft nicht nur sehr anspruchsvoll ist, sondern offenbar auch in hohem Maße zufriedenstellend. Letzteres wird in der aktuellen Diskussion über diesen Beruf gelegentlich übersehen.“ (S. 37 f)
https://box.hu-berlin.de/f/286e96a9a06546b88f4e/?dl=1

Siehe auch:
13.10.2023
* Das Fach Deutsch hat ein Problem
Noch nie waren Neuntklässler so schlecht im Fach Deutsch wie jetzt. Das zeigt eine Studie der Kultusministerkonferenz. Die Experten haben einen Verdacht.
Mehr: https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/bildungstrend-100.html
* Studie: Schulkinder werden schlechter in Deutsch, aber besser in Englisch
Wieder bescheinigt eine Bildungsstudie Schülern schlechte Leistungen: Neuntklässler schwächeln zunehmend im Fach Deutsch. Besser werden sie in Englisch.
Mehr: https://www.berliner-zeitung.de/news/studie-leistung-schulkinder-werden-schlechter-in-deutsch-aber-besser-in-englisch-li.2149014
* Deutsch-Leistungen im Sinkflug: Jeder dritte Neuntklässler scheitert an Mindeststandards
Deutsche Neuntklässler zeigen Schwächen in Deutsch, wie der IQB-Bildungstrend offenbart. Im Fach Englisch werden die Schüler jedoch besser.
Mehr: https://www.tagesspiegel.de/wissen/deutsch-leistungen-im-sinkflug-jeder-dritte-neuntklassler-scheitert-an-mindeststandards-10620493.html
* „In hohem Maße besorgniserregend“: Jeder dritte Neuntklässler scheitert an Deutsch-Mindeststandards
Die Deutsch-Leistungen von Neuntklässlern haben sich einer Studie zufolge bedenklich verschlechtert. Etwa jeder Dritte scheiterte im vergangenen Jahr bei deutschlandweiten Tests an Mindeststandards für den mittleren Schulabschluss (MSA) im Bereich Lese- und Hörverständnis, mehr als jeder Fünfte verfehlte diese im Bereich Rechtschreibung. Das geht aus dem IQB-Bildungstrend hervor, der am Freitag zum Abschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin vorgelegt wurde.
Mehr: https://www.news4teachers.de/2023/10/in-hohem-masse-besorgniserregend-jeder-dritte-neuntklaessler-scheitert-an-deutsch-mindeststandards/
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12.09.2023
Bildung auf einen Blick 2023 - OECD-Indikatoren
“ Berufliche Ausbildung (Vocational Education and Training – VET) ist von maßgeblicher Bedeutung. Sie bietet eine Alternative zur akademisch ausgerichteten Ausbildung, vermittelt Lernenden praxisorientierte Fähigkeiten, steigert die Beschäftigungschancen, erleichtert den Übergang vom (Aus-)Bildungssystem zum Erwerbsleben und deckt den Bedarf der Wirtschaft an qualifizierten Arbeitskräften. (…)
Um den Herausforderungen des Arbeitsmarktes gerecht zu werden und alle Lernenden in die für ihre Begabungen und Ziele passenden Bildungsgänge zu leiten, muss die berufliche Ausbildung attraktiver und zugänglicher werden. Unsere neueste Ausgabe von Bildung auf einen Blick enthält eine Reihe neuer länderübergreifender Daten zu berufsbildenden Bildungsgängen, die politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern dabei helfen werden, die Effektivität ihrer VET-Systeme zu verstehen, um Chancen, Inklusion und nachhaltiges Wachstum zu fördern.“ (S. 10)
Die Untersuchung:
https://read.oecd-ilibrary.org/education/bildung-auf-einen-blick-2023_34087b82-de#page12

Siehe auch:
* Mehr Menschen ohne Qualifikation : Der Anteil der jungen Erwachsenen mit höherem Bildungsabschluss ist gesunken. Vor allem die Zahl der Berufsausbildungen geht zurück.
Weniger junge Menschen in Deutschland machen Abitur oder einen vergleichbaren Abschluss wie etwa eine Berufsausbildung.
Mehr: https://taz.de/Schulabschluesse-in-Deutschland/!5956731/
* Neue OECD-Studie vorgestellt: Deutschland verliert bei der beruflichen Bildung
Jährlich gibt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung einen Überblick über den Zustand der Bildung. Die Politik und Wirtschaft reagieren „alarmiert“.
Mehr: https://www.tagesspiegel.de/neue-oecd-studie-vorgestellt-deutschland-verliert-bei-der-beruflichen-bildung-10454452.html
* Neue OECD-Studie: Weniger junge Menschen in Deutschland machen Ausbildung
Eine neue OECD-Studie, die am Dienstag auf einer Pressekonferenz vorgestellt wurde, zeigt: Das deutsche Ausbildungssystem ist weiterhin gut – mit Abstrichen.
Mehr: https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/neue-oecd-studie-weniger-junge-menschen-in-deutschland-machen-ausbildung-li.388194

30.08.2023
ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V.
Was die Deutschen über die Qualität der Schulen denken – Ergebnisse des zehnten ifo Bildungsbarometers 2023
Im ifo Bildungsbarometer 2023 zeigt sich eine deutliche Verschlechterung in der Bewertung der Schulen: Lediglich 27% der Deutschen geben den Schulen in ihrem Bundesland die Note 1 oder 2, 2014 waren es noch 38%. 79% sind der Meinung, dass sich die Schulbildung durch die Corona-Pandemie verschlechtert hat. Als ernsthaftes Problem sehen die meisten Deutschen den Lehrkräftemangel (77%), gefolgt von fehlenden finanziellen Mitteln (68%) und der Trägheit des Systems (66%). Gegen den Lehrkräftemangel unterstützen die Befragten die Nachqualifizierung von Lehrkräften in Mangelfächern (79%) sowie den Einsatz von Quereinsteiger*innen (64%), lehnen aber größere Klassen ab (81%). Mehrheitlich befürworten sie deutschlandweit einheitliche Abiturprüfungen (86%) und Vergleichstests in Mathematik und Deutsch (68%). Sie sprechen sich gegen die Abschaffung von Schulnoten (73%) und für Klassenwiederholungen bei schlechten Leistungen (78%) aus. 78% befürworten, dass alle Schulen einheitliche Jahresberichte veröffentlichen müssen. Die Deutschen sind dafür, dass der Bund alle Schüler*innen an weiterführenden Schulen mit Computern ausstattet (65%) und Lehrkräfte Fortbildungen zur Digitalisierung machen müssen (81%). Knappe Mehrheiten lehnen Unterricht zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz und Chatbots ab (54%) und befürworten Prüfungsformen, die deren Verwendung verhindern (55%). 74% sind für höhere Bildungsausgaben – deutlich mehr als für andere Staatsausgaben.“
Download: https://www.ifo.de/DocDL/sd-2023-09-woessmann-etal-bildungsbarometer-2023.pdf

Siehe auch:

* Umfrage des ifo-Bildungsbarometers Bürger bemängeln nachlassende Qualität der Schulen
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/schulen-qualitaet-umfrage-ifo-100.html
* Ansehen der Schulen im Sinkflug, Bürger wollen mehr Investitionen in Bildung
https://www.news4teachers.de/2023/08/ansehen-der-schulen-im-sinkflug-buerger-wollen-mehr-investitionen-in-bildung/
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Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
18.08.2023
„Elf- bis Siebzehnjährige litten besonders häufig unter den pandemiebedingten Schulschließungen
Wirtschaftswissenschaftler:innen der Universität Konstanz haben in einem Kooperationsprojekt mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) die Folgen der pandemiebedingten Schulschließungen in Deutschland untersucht. Sie fanden heraus, dass diese zu einer erheblichen Verschlechterung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren geführt haben. Die Studienergebnisse sind heute in Science Advances veröffentlicht worden.“
Mehr: https://www.uke.de/allgemein/presse/pressemitteilungen/detailseite_139590.html

Die Studie:
„The youth mental health crisis: Quasi-experimental evidence on the role of school closures
Abstract
During the COVID-19 pandemic, the youth mental health crisis has reached unprecedented levels. To which extent school closures, one of the most heavily debated pandemic measures, have contributed to or even caused this crisis is largely unknown. We seek to narrow this blind spot, by combining quasi-experimental variation in school closure and reopening strategies across the German federal states at the onset of the pandemic with nationwide, population-based survey data on youth mental health and high-frequency data from the largest crisis helpline. We show that prolonged school closures led to a substantial deterioration in youth health-related quality of life, precipitating early signs of mental health problems. The effects were most severe among boys, younger adolescents, and families with limited living space. We further provide evidence that family problems are a major issue that adolescents were struggling with when denied access to school. Overall, school closures largely explain the deterioration of youth mental health over the first pandemic wave.“
Download der Studie: https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.adh4030

Siehe auch:

* Schulschließungen verstärkten psychische Belastung bei Jugendlichen
https://www.zeit.de/gesundheit/2023-08/corona-psyche-jugendliche
* Wie Jugendliche unter der ersten Corona-Welle litten
https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/landesweite-schulschliessungen-wie-jugendliche-unter-der-ersten-corona-welle-litten-19113321.html
* Studie zur Corona-Pandemie: Jugendliche litten sehr stark unter Schulschließungen
https://www.tagesspiegel.de/wissen/studie-zur-corona-pandemie-jugendliche-litten-sehr-stark-unter-schulschliessungen-10328209.html
* Studie: Jugendliche waren während Schulschließungen zunehmend belastet
https://www.news4teachers.de/2023/08/studie-jugendliche-waren-waehrend-schulschliessungen-zunehmend-belastet/
* Wie Schulschließungen die Psyche belastet haben
https://www.spiegel.de/gesundheit/corona-massnahme-wie-schulschliessungen-die-psyche-belastet-haben-a-eb44f9e3-f90d-44d4-aa4c-919337bfb55c
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18.08.2023
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung - DIW Econ GmbH
Kosten (k)einer Kindergrundsicherung: Folgekosten von Kinderarmut
„Das Wichtigste in Kürze
Die Einführung einer Kindergrundsicherung ist ein derzeit kontrovers diskutiertes Thema. Laut eines Eckpunktepapiers der Bundesregierung soll diese einerseits zu einer höheren Inanspruchnahme der aktuell bestehenden sozialen und familienpolitischen Leistungen für Kinder führen und andererseits eine Anpassung des Grundbedarfs beinhalten.
In der Debatte zur Bekämpfung von Kinderarmut dürfen Politikmaßnahmen jedoch nicht nur an ihren direkten fiskalischen Kosten gemessen werden. Vielmehr müssen auch die Folgekosten unterlassener Bekämpfung in der Abwägung über politische Maßnahmen einberechnet werden. Denn die langfristigen Kosten von Kinderarmut sind bedeutend.
Eine exakte Quantifizierung der Folgekosten von Armut ist jedoch schwer durchführbar, weil diese oft verzögert zur erlebten Armut auftreten, am Ende komplexer Kausalitätszusammenhänge stehen oder nicht in monetären Größen gemessen werden können. Als Approximation werden deshalb in der vorliegenden Kurzexpertise im Auftrag der Diakonie Deutschland Partialanalysen in den Bereichen Gesundheit, Bildung und soziale Teilhabe durchgeführt. Sie zeigen die vielfachen Wirkungsmechanismen auf, über die Kinderarmut langfristig gesellschaftliche Kosten verursacht.
Im Folgekostenbereich Gesundheit liegt beispielsweise für armutsbetroffene Kinder das Risiko höher, gesundheitliche Probleme zu entwickeln und deshalb langfristig arbeitsunfähig zu werden oder Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch nehmen zu müssen. Alleine die direkten und indirekten Kosten im Zusammenhang mit Adipositas, deren Risiko mit Kinderarmut steigt, lagen 2016 bei jährlich mehr als 60 Milliarden Euro (Effertz, Engel, Frank, & Linder, 2016).
In Hinblick auf den Folgekostenbereich Bildung führt u. a. der oft schlechtere Zugang zu Bildungsangeboten für armutsbetroffene Kinder zu niedrigeren Bildungsabschlüssen und begrenzten beruflichen Perspektiven. Dass dies wiederum das Risiko von Arbeitslosigkeit erhöht, bedeutet langfristig gesellschaftliche Kosten in Form von ausbleibenden Steuer- und Sozialabgaben und zusätzliche Transferleistungen. Diese Kosten belaufen sich alleine für Personen eines Jahrgangs mit unzureichender Bildung auf 1,5 Milliarden Euro jährlich (Allmendinger, Giesecke, & Oberschachtsiek, 2011).
Kosten des Bereichs soziale Teilhabe sind nur schwer quantifizierbar. Die Folgekosten sind jedoch real: Wenn etwa finanzielle Mittel oder Raum zur sozialen Teilhabe für Kinder fehlen, hat dies langfristig nachteilige Auswirkungen auf das soziale Netzwerk, was sich wiederum negativ auf deren Bildungs- und Arbeitsmarktchancen auswirkt. So steht eine wenig ausgeprägte soziale Teilhabe in Zusammenhang mit ausbleibenden Steuer- und Sozialbeiträgen und erfordert langfristig höhere Sozialleistungen durch den Staat.
Dass zielgerichtete Politikmaßnahmen wirksam gegen Kinderarmut sind, zeigt eine empirische Simulation für drei Szenarien: 1) eine Entbürokratisierung, die zur vollständigen Ausschöpfung des Kinderzuschlags führt, 2) ein kinderbezogener Transfer von 50 Euro für armutsbetroffene Kinder und 3) ein kinderbezogener Transfer von 100 Euro für armutsbetroffene Kinder.
Der Vergleich zwischen den untersuchten Szenarien ergibt, dass durch zusätzliche Transfers von 100 Euro der Anteil armutsbetroffener Haushalte am stärksten reduziert werden könnte. Besonders würden Alleinerziehendenhaushalte und Paare mit mindestens drei Kindern von den zusätzlichen Leistungen profitieren – und damit die Haushalte, die aktuell am stärksten von Armut betroffen sind.
Die Mehrausgaben auf dem Niveau von 2019 belaufen sich auf ca. 630 Millionen (Szenario 1), 2.130 Millionen (Szenario 2) bzw. 4.260 Millionen Euro (Szenario 3). Gegenübergestellt mit den Kosten von mehr als 100 Milliarden Euro, die einer Studie von Clarke et al. (2022) zufolge 2019 in Deutschland durch vergangene und aktuell existierende Kinderarmut anfielen, erscheinen umfangreiche Investitionen zur Reduzierung von Kinderarmut als nachhaltig investierte Mittel.“ (S. i, ii)
Download der Studie: https://www.diakonie.de/fileadmin/user_upload/Diakonie/PDFs/Pressmitteilung_PDF/Diakonie_DIWEcon_Kindergrundsicherung_v4.0.pdf

Siehe auch:

* Studie zur Kinderarmut: Investitionen in junge Menschen (einschließlich in deren Bildung) rechnen sich für Staat und Gesellschaft
https://www.news4teachers.de/2023/08/studie-zur-kinderarmut-investitionen-in-junge-menschen-einschliesslich-in-deren-bildung-rechnen-sich-fuer-staat-und-gesellschaft/

Körber-Stiftung
Eltern im Fokus 2023 : Wie Eltern auf Bildung und die berufliche Zukunft ihrer Kinder blicken
„Was uns die Ergebnisse zeigen (…)
Geschlechterunterschiede prägen die beruflichen Vorstellungen der Eltern für ihre Kinder
Mit Blick auf die Zukunft stecken wir, was Geschlechterstereotype angeht, leider noch in der Vergangenheit fest. Vorherrschende Zuschreibungen sind weiterhin stark verbreitet und werden auch im Hinblick auf die berufliche Zukunft in Teilen von Eltern an ihre Kinder weitergegeben. Eltern von Mädchen befürworten z. B. deutlich häufiger den Gesundheitsbereich oder Soziales und Pädagogik als mögliche Berufsfelder für ihre Töchter. Eltern von  Jungen hingegen präferieren Berufe in den Feldern  Technik, Programmieren, Elektro und Maschinenbau. Auch im gewünschten Ausbildungsweg gibt es Unterschiede: Eltern von Mädchen wünschen sich deutlich häufiger ein Studium für ihre Töchter, während Eltern für ihre Söhne eher eine Ausbildung präferieren.
Geringes Vertrauen in das System Schule
An Schule und Lehrkräfte sind die Erwartungen hoch: Knapp 90 Prozent der Eltern sehen in Schule und Lehrkräften Schlüsselfiguren für gute Bildung und einen erfolgreichen Berufseinstieg. Zumindest in der Theorie. Denn: Fast drei Viertel der Eltern denken, dass es Schule weniger gut oder gar nicht gelingt, die Fähigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln, die für die berufliche Zukunft ihres Kindes relevant sind. Und auch am aktuellen System der Leistungsbewertung bestehen deutliche Zweifel:
Drei Viertel der Eltern glauben, dass Noten Leistungen nicht angemessen abbilden können; knapp die Hälfte plädiert sogar dafür, das bestehende Notensystem abzuschaffen. Das Vertrauen in Schule könnte also besser sein und zielgerichteter adressiert werden können.“ (S. 3)
https://koerber-stiftung.de/site/assets/files/31569/230721-korber-stiftung_eltern_im_fokus-web.pdf

Siehe auch:

31.07.2023
Elternumfrage zur Rolle der Schule »Unser Bildungssystem steckt in einer dramatischen Vertrauenskrise«
Schule bereitet Kinder schlecht auf die Zukunft vor, sagt die Mehrheit der Eltern. Fachleute sehen in den Ergebnissen zwar kein generelles Schul-Bashing, fordern aber radikale Veränderungen.
Mehr: https://www.spiegel.de/panorama/bildung/koerber-stiftung-elternumfrage-sieht-bildungssystem-in-der-vertrauenskrise-a-e7b5d14e-f5f7-4cfc-9f4a-c325ad5274d0

31.07.2023
Elternumfrage über Bildung und Beruf: Keine Jobsorgen für den Nachwuchs
Eltern in Deutschland sind optimistisch für die berufliche Zukunft ihrer Kinder. Allerdings vertrauen sie dabei nicht auf das Bildungssystem.
Mehr: https://taz.de/Elternumfrage-ueber-Bildung-und-Beruf/!5947898/

31.07.2023
Körber-Stiftung: Bildungssystem steckt in Vertrauenskrise
Mehr: https://www.sueddeutsche.de/leben/gesellschaft-hamburg-koerber-stiftung-bildungssystem-steckt-in-vertrauenskrise-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-230731-99-627959
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Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.
IW-Trends
Jobben in der Jugend: Eine Frage des Elternhauses
„Zusammenfassung
Ein zu ihren sonstigen Lebensumständen passender Nebenjob kann Jugendlichen helfen, am Arbeitsmarkt relevante Kompetenzen und Fertigkeiten zu erlernen und einzuüben. Erfahrungen mit solchen Jobs hatten einer eigenen Auswertung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zufolge 41,7 Prozent der 17-Jährigen in den Jahren 2018 bis 2020. Allerdings trifft das vorwiegend auf Jugendliche aus den höheren sozialen Schichten zu. Teilt man die 17-Jährigen anhand des äquivalenzgewichteten Einkommens der Familie in zwei gleich große Gruppen auf, hatten 52,1 Prozent der 17-Jährigen der oberen Hälfte, aber nur 31,5 Prozent der unteren Hälfte Erfahrung mit Jobben. Ausschlaggebend hierfür dürften die sozialen Ressourcen der Eltern sein.
So liegt die Wahrscheinlichkeit, in der Jugend zu jobben, etwa auch bei den Kindern von Selbstständigen besonders hoch. Dabei sollten Jugendliche an sich dann einen besonders starken Anreiz haben, sich um eine vergütete Beschäftigung zu bemühen, wenn ihnen die Familien nur einen niedrigen Lebensstandard bieten können und die zusätzlichen Einkünfte entsprechend wichtig sind, um sich spezifische Wünsche erfüllen zu können. Vor diesem Hintergrund wäre zu überlegen, Jugendliche aus niedrigen sozialen Schichten bei der Suche nach für sie geeigneten Jobs gezielt zu unterstützen“
IW-Trends 3/2023; Vierteljahresschrift zur empirischen Wirtschaftsforschung; Jahrgang 50, S. 47
https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/IW-Trends/PDF/2023/IW-Trends_2023-03-03_Geis-Th%C3%B6ne.pdf

Siehe auch:

04.08.2023
Vor allem Kinder reicher Eltern jobben nebenbei
In Deutschland haben Jugendliche aus wohlhabenderen Familien öfter einen Nebenjob als Heranwachsende aus ärmeren Haushalten. Denn laut IW-Studie spielen Kontakte der Eltern eine entscheidende Rolle.
Mehr: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/iw-studie-jugendliche-aus-reicheren-familien-haeufiger-nebenjob-100.html

04.08.2023
Kinder reicher Eltern haben häufiger Nebenjobs
Vier von zehn Jugendlichen verdienen neben der Schule eigenes Geld – eine wichtige Erfahrung fürs Leben. Doch ausgerechnet Jugendlichen aus ärmeren Schichten bleibt dies oft verwehrt, zeigt eine Studie.
https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/klassenzimmer/warum-kinder-reicher-eltern-haeufiger-nebenjobs-haben-19081119.html

04.08.2023
Teenager am Arbeitsmarkt : Je reicher die Eltern, desto eher arbeiten Jugendliche
Viele Teenager jobben nach der Schule oder in den Ferien. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, dass Jugendliche aus wohlhabenden Elternhäusern eher einem Nebenjob nachgehen.
Mehr: https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/studie-zu-teenagern-am-arbeitsmarkt-je-reicher-die-eltern-desto-eher-arbeiten-jugendliche-a-38f9e9de-45ca-45f7-a67b-ee31420a1d19

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Juni 2023
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH (WZB)
Eine „faire“ Verteilung der Mittel aus dem Startchancenprogramm erfordert eine ungleiche Verteilung auf die Bundesländer.
Eine Abschätzung der Mittelbedarfe für die deutschen Grundschulen anhand der Armutsquoten in den Sozialräumen
„Zusammenfassung
In der vorliegenden Studie wurden erstmals für alle deutschen öffentlichen Schulen mit einem Grundschulteil die Kinderarmutsquoten für die Grundschuleinzugsgebiete berechnet. Auf Grundlage der Ergebnisse konnte bestimmt werden wo in Deutschland die Schulen mit der höchsten Kinderarmutsquoten verortet sind. Die anteilig meisten Schulen mit einer hohen Kinderarmutsquote befinden sich in Nordrhein-Westfalen und den drei Stadtstaaten. Die wenigsten befinden sich in Bayern und Baden-Württemberg.
Will der Bund, wie im Koalitionsvertrag festgehalten, diese Schulen im sogenannten Startchancenprogramm zusätzlich fördern, dann ergibt sich eine deutlich andere Verteilung der Mittel als über andere Berechnungsmethoden wie den Königsteiner Schlüssel oder einen multidimensionalen Verteilungsschlüssel. Besonders Bayern und Baden-Württemberg würden nur einen Bruchteil der Mittel erhalten, die Schulen in Bremen, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt würden hingegen deutlich stärker profitieren. Die Berechnungen zeigen aber auch, dass Schulen in größeren Städten deutlich stärker profitieren würden als auf dem Land. Nur in Brandenburg würden Schulen in ländlichen Räumen stärker von einer Zuteilung der Mittel nach den Kinderarmutsquoten profitieren. Aus methodischen Gründen konnten für die Studie keine Kinderarmutsquoten für die Sekundarschulen berechnet werden.“ (S. 3)
https://bibliothek.wzb.eu/pdf/2023/p23-001.pdf

Siehe zum Thema auch:
* Armut entscheidend für Bildungserfolg
12.06.2023
Startchancen-Programm der Bundesregierung : Hier gehen besonders viele arme Kinder zur Schule
Der Bund will Schulen unterstützen, in denen viele Kinder unterrichtet werden, die von Armut betroffen sind. Ein Forscher hat nun ausgerechnet, wo das besonders nötig wäre – vier Bundesländer sind demnach besonders betroffen. (…) Die anteilig meisten Schulen mit einem hohen Anteil armutsbetroffener Kinder finden sich in Nordrhein-Westfalen und den drei Stadtstaaten – Berlin, Bremen und Hamburg.
Mehr: https://www.spiegel.de/panorama/bildung/neue-studie-wo-besonders-viele-arme-kinder-zur-schule-gehen-a-9f356cd0-918b-4065-bbf9-84f359565ea0
* 21.06.2023
Kultusministerkonferenz in Berlin: Bund und Länder nähern sich bei Startchancenprogramm an
Zwei Tage lang kommt die Kultusministerkonferenz in Berlin zusammen. An Themen mangelt es nicht.
Mehr: https://www.tagesspiegel.de/politik/kultusministerkonferenz-in-berlin-bund-und-lander-hoffen-auf-einigung-bei-startchancenprogramm-10024246.html
Siehe auch:
* https://taz.de/Kultusministerkonferenz-in-Berlin/!5931060/
* https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/bildung-kultusministerkonferenz-100.html
* 21.06.2023
Wie sich Chancengerechtigkeit in der Bildung verbessern lässt – und woran es beim Startchancen-Programm des Bundes (noch) hakt
Gleiche Bildungschancen für alle Kinder – diesem Ziel möchte die Bundesregierung mit dem Startchancen-Programm endlich näherkommen. Die Eckpunkte des Programms liegen nun vor. Doch was bedeuten Sie konkret für die Länder und Schulen? Darüber hat news4teachters mit Dr. Markus Küpker gesprochen. Er ist Leiter des Bereichs Daten und Analysen bei der Bildungsinitiative RuhrFutur, die seit zehn Jahren erfolgreich Projekte für gleiche Bildungschancen im Ruhrgebiet und teilweise ganz NRW durchführt.
Mehr: https://www.news4teachers.de/2023/06/wie-die-sich-chancengerechtigkeit-in-der-bildung-verbessern-laesst-und-woran-es-beim-startchancen-programm-des-bundes-noch-hakt/
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Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation
31. Mai 2023
Indikatorenentwicklung im Feld der kulturellen Bildung (InKuBi).  Konzeptionelle Grundlagen und erste Befunde
„Wie steht es um die kulturelle Bildung in Deutschland, und können alle Menschen gleichermaßen an ihr teilhaben? Für diese gesellschaftlich wie wissenschaftlich wichtigen Fragen gibt es bislang noch keine umfassenden Untersuchungen. Eine Machbarkeitsstudie präsentiert nun erste Hinweise, auf welche konzeptuellen und methodischen Grundlagen sich ein auf Dauer angelegtes Berichtssystem zur kulturellen Bildung stützen könnte. Zugleich legt die Untersuchung Befunde zum Stand der kulturellen Bildung in Deutschland vor.“
https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/kulturelle-bildung-fuer-alle
Download derStudie: https://www.wbv.de/shop/openaccess-download/6004954w
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Leibniz-Institut für Bildungsverläufe in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung
10.05.2023
The German Panel of Teacher Education Students: Surveying (Prospective) Teachers from Higher Education into Working Life
„ABSTRACT
This paper describes the design, survey instruments, data, and their potential for use of a longitudinal study of (prospective) teachers in Germany that follows their professional and competence development from teacher education into the first years in the teaching profession. The Panel of Teacher Education Students (Lehramtsstudierenden-Panel (LAP)) is linked to the Starting Cohort 5 of the National Educational Panel Study (NEPS), which initially included about 18,000 first-year students in the winter term 2010/2011 and an oversampling of teacher education students (about 5,500 students). From 2014 onwards, multiple survey instruments—for example, aspects of preparatory service and of professional competence, instructional practices, and professional development— were specifically addressed to (prospective) teachers. The data was collected in 19 waves between 2010 and 2022“
Download: https://storage.googleapis.com/jnl-up-j-jopd-files/journals/1/articles/76/645b899ee106b.pdf
https://openpsychologydata.metajnl.com/articles/10.5334/jopd.76

Siehe auch:
02.06.2023
Eine neue Datensammlung liefert umfangreiche Informationen zu Bildungs- und Berufswegen junger Lehrkräfte: eine ideale Basis für Analysen oder Empfehlungen für Praxis und Politik.
https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/datenlage-zur-lehramtsausbildung
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IGLU 2021
Lesekompetenz von Grundschulkindern im internationalen Vergleich und im Trend über 20 Jahre